01.11.2017 / Schwerpunkt / Seite 3 (Beilage)

Geschichtchen und Geschichte

Im Märchen von der westlichen Demokratie wird nicht erzählt, dass deren ­universelle politische Rechte ohne die Oktoberrevolution niemals Realität geworden wären

Domenico Losurdo

Es scheint, als wollten heute vorherrschende Ideologie und Historiographie die gesamte Bilanz eines dramatischen Jahrhunderts in einer kleinen erbaulichen Erzählung zusammenfassend darstellen, die in etwa so ginge: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird ein faszinierendes und tugendhaftes Mädchen (das Fräulein Demokratie) zunächst von einem Rohling (dem Herrn Kommunismus) und dann von einem anderen Rohling (dem Herrn Nazifaschismus) angegriffen. Indem es sich die Gegensätze der beiden zunutze macht, gelingt dem Mädchen infolge einer Verkettung komplizierter Ereignisse schließlich, sich aus der bedrohlichen Umklammerung zu befreien. Inzwischen reifer geworden, ohne jedoch seine Faszination eingebüßt zu haben, kann das Fräulein Demokratie endlich seinen Liebestraum erfüllen und den Herrn Kapitalismus heiraten. Umgeben von allseitigem Respekt und allgemeiner Bewunderung führt das sich liebende, glückliche und untrennbare Paar sein Leben in den Hauptsitzen Washi...

Artikel-Länge: 15774 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    18,60 Euro/Monat Soli: 23,60 €, ermäßigt: 11,60 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe