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23.03.2017 / Feuilleton / Seite 10 (Beilage)

Der Lärm der Bourgeoisie

Julian Barnes’ neues Buch ist alles, nur kein Roman über Dmitri Schostakowitsch

Detlef Kannapin

»Er selbst würde von der Sowjetmacht nie geliebt werden. Er hatte die falsche Herkunft: die liberale Intelligenzija jener verdächtigen Stadt St. Leninsburg. Für die Sowjets war proletarische Reinheit so wichtig wie arische Reinheit für die Nazis.« Das steht auf Seite 122 von »Der Lärm der Zeit«, und vernünftig denkende Menschen würden hier die Lektüre beenden und sich Wichtigerem zuwenden.

Kurioserweise ist es exakt die Mitte des Buches des englischen Autors Julian Barnes, der vorgibt, einen Roman über Episoden aus dem Leben des Komponisten, Marxisten, Revolutionärs und Sowjetbürgers Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) geschrieben zu haben. Doch die Figur, die er da abhandelt, hat mit Schostakowitsch in etwa so viel zu tun wie der Papst mit der Aufklärung. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie in Zeiten des Niedergangs selbst elementare Wahrheiten auf dem Altar des Herrschaftsgeistes geopfert werden. Nichts darf übrigbleiben von den Ideen der Weltverbe...

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