Gegründet 1947 Dienstag, 25. Juni 2019, Nr. 144
Die junge Welt wird von 2198 GenossInnen herausgegeben
02.06.2012 / 0 / Seite 3 (Beilage)

Väter und Söhne

Kleinigkeiten, die einem keine andere Wahl lassen: Zwei Geschichten aus der Vorschulzeit

Frank Schäfer

1

Sie wohnten zur Miete, in der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses. Ich war bisher davon ausgegangen, daß alle ein eigenes Haus besäßen, in unserem Dorf schien es jedenfalls so zu sein. Hier arbeiteten alle bei Volkswagen und zahlten bis zur Rente ihr Eigenheim ab. Ein paar Ausnahmen gab es, aber die waren nur auf der Durchreise. Wie der Junge, der kurz nach seiner Geburtstagsfeier wieder wegzog.

Wir standen uns gar nicht so nahe. Er gehörte zu meiner Kindergartengruppe, aber er konnte nicht gut rennen, weil er etwas dicklich war, und er fing mal an zu heulen, als ich ihn beim Wettlauf umstieß, einfach nur weil er mir im Weg stand. Aber solche Kleinigkeiten verzieh er uns schnell, weil er keine andere Wahl hatte. Auch die Sprüche über seine dicke Unterlippe, die aussah, als wäre sie ständig geschwollen, oder als schmollte er gewohnheitsmäßig. Einmal hörte ich, wie ihn eines der älteren Kinder als »Negerlippe« beschimpfte, und wir lachten...



Artikel-Länge: 8921 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen
Bitte einloggen
Hilfe bei Einlog-Problemen

Abo abschließen

Gedruckt

Printabo

Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €

Online

Onlineabo

24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

19,80 Euro/Monat Soli: 25,80 €, ermäßigt: 12,80 €

Verschenken

Geschenkabo

Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €