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Betr.: Artikel Wo gibt’s hier Bier?

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Wo gibt’s hier Bier?

Sandige Redewendungen und seltsame Spitznamen. Die Gruppe G im Prophetendiskurs

Donnerstag, 11 Uhr, Schweiz – Kamerun

Donnerstag, 20 Uhr, Brasilien – Serbien

Es ist eine Qual. Nicht die Weltmeisterschaft an sich. Die zwar auch – manch einer mag von gewissen Gepflogenheiten der katarischen Herrscher im Verbund mit dem Weltfußballverband gehört haben, die uns (womit keineswegs abstrakt der Deutsche gemeint ist) nicht so gefallen. Qualvoller ist der Drang, die Fülle an Redewendungen, die sich im Zusammenhang mit einer erstmalig in einer Wüste ausgetragenen WM aufdrängen, auszureizen.

In die Wüste schicken – zum ersten Spieltag der Gruppenphase sind Verrenkungen und eine sanftmütige Leserschaft vonnöten. Nun gut: die Verbannung Russlands nicht aus sportlichen, sondern aus machtpolitischen Erwägungen infolge seines Ukraine-Feldzugs beispielsweise. Das war 2018 noch anders. Wie so vieles. Da fand die WM in den Sommermonaten statt – zumindest aus der Perspektive von Nordhalbkugelianern. Russland war mit seiner ­Sbornaja vertreten und sogar Gastgeber. Heute undenkbar. Und es gab Bier.

Was 2018 jedoch nicht anders war: Brasilien, Serbien und die Schweiz spielten auch schon bei Putin in einer Gruppe – am Ende mit dem besseren Ausgang für den Rekordweltmeister und die Alpenkicker. In Katar treffen die Südamerikaner am ersten Spieltag auf Serbien. Die Rollen sind klar verteilt. Die Seleção gibt sich keine Blöße, hat Chancen wie Sand in der Wüste. In den stecken die Serben ihre Köpfe trotzdem nicht, liefern eine ­körperbetonte Abwehrschlacht. Vergeblich. Davon, dass ihre Qualitäten gemeinhin in der Offensive verortet werden, nachdem sogar Portugal in der Qualifikation auf Abstand gehalten werden konnte, ist in der Wüste zunächst nichts zu sehen. Aber bleiben ja noch zwei Spiele.

Und die Eidgenossen? Die haben zwar Italien in der Quali hinter sich gelassen und dafür gesorgt, dass der amtierende Europameister in Katar fehlt. Ein Selbstläufer ist trotzdem nicht zu erwarten, was schon die Generalprobe gegen Ghana eine Woche vor Auftakt des Festivals der ­Menschenrechtsverstöße gezeigt hat. Die Nati – es gibt nicht viele Spitznamen für Fußballteams, die unangenehmer sind – verlor mit zwei Toren Differenz. Da war Wüstensand im Getriebe, wusste auch Yann Sommer, Nummer eins der Schwyzer. Allerdings hatte der Gladbacher eine Erklärung parat, machte eine »gewisse Müdigkeit« bei seinen Kollegen aus, »auch die Hitze spielte eine Rolle«. Der Schweizer Auftaktgegner Kamerun dürfte mit den Temperaturen in Katar besser zurechtkommen. Was den »unbezähmbaren Löwen«, die unisono als »krasse Außenseiter« belächelt werden, denn auch Auftrieb gibt. Fast kommen die Alpenkicker beim Dritten des Afrika-Cups unter die Räder. Partie abgehakt, trocken wie Wüstensand. Das Highlight kommt ohnehin erst am ­letzten Spieltag der Gruppenphase, wenn die Schweiz auf Serbien trifft.

Bleibt zu vermerken: Brasilien ist in Katar Favorit. Wie eigentlich immer, stammelt auch Jürgen Klinsmann, der »die Südamerikaner« – also neben der Seleção auch Argentinien – »für diese WM am geeignetesten« hält. Dass der Gewinn einer Welt- und einer Europameisterschaft nicht zwangsläufig für Expertise spricht, zeigt die ­Niederlage der Gauchos gegen die Saudis am Dienstag. Nicht geirrt hat Klinsi indes in früheren Jahren. Bester Beleg: seine Vergangenheit als Blauer bei den Kickers. Schon mit 16 schnürte er in Degerloch seine Profistiefel. Fachkenntnis und Geschmack waren damals also noch vorhanden. Auf der Waldau wird übrigens trotz Wüsten-WM weiter gebolzt. Am 3. Dezember zum Beispiel in der Oberliga Baden-Württemberg, Kickers gegen Bietigheim-Bissingen. Eine Alternative für Boykottierende, Bier inklusive.

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