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Keine Trendwende in Sicht

Abomodell auf Eis, Mitarbeiterklagen und wachsender Schuldenberg: Die Lage bei Twitter verschärft sich

Die Turbulenzen bei der Social-Media-Plattform Twitter werden nicht weniger: Entlassene Mitarbeiter ziehen vor Gericht, Werbekunden springen ab, und das neue Abomodell musste wegen Missbrauchs erst gestoppt und nun verschoben werden. Auch die Pleite des Unternehmens ist nicht mehr ausgeschlossen, machte Konzernchef Elon Musk kürzlich deutlich.

Die wirtschaftlichen Probleme des sozialen Netzwerks bestehen allerdings nicht erst seit der Übernahme durch Musk. Von 2013 bis heute schrieb das Unternehmen die meiste Zeit rote Zahlen. In den vier Quartalen vor der Transaktion nahm die Twitter Inc. rund 5,2 Milliarden US-Dollar ein. Einen größeren Betrag musste sie aber für Gehälter und Infrastruktur aufwenden.

Musk hat die Situation verschärft: Die Übernahme hat er zum Teil durch Kredite finanziert, mit denen er dann das Unternehmen belastet hat. Einen Schuldenberg von fast dreizehn Milliarden US-Dollar schleppt es nun mit sich, wofür jedes Jahr etwa 1,2 Milliarden US-Dollar an Zinsen fällig werden.

Die Radikalkur, die Musk Twitter verordnet hat, soll retten, was noch zu retten ist – auf Kosten der Beschäftigten. Die Hälfte der Belegschaft musste gehen, die übrigen Beschäftigten wurden per Ultimatum vor die Wahl gestellt: Überstunden oder Kündigung. Wer bleiben wolle, müsse sich einer »extrem harten« Arbeitskultur verpflichten und sich auf eine 80-Stunden-Woche einstellen. Hunderte Mitarbeiter hätten nicht auf das Ultimatum reagiert, schrieb die Financial Times am Freitag; Hunderte hätten angekündigt, das Unternehmen verlassen zu wollen.

Die zuvor Entlassenen wollen sich ihren Rauswurf nicht gefallen lassen. Anfang des Monats reichten sie eine Sammelklage ein. Sie werfen Twitter vor, seine rechtlichen Verpflichtungen nicht erfüllt zu haben: Ein US-Bundesgesetz schreibt vor Massenentlassungen eine Ankündigungsfrist von 60 Tagen vor. Am Dienstag erwiderte die Twitter Inc. die Klage und beantragte, dass das Verfahren an ein Schiedsgericht weitergeleitet werden solle.

Das Unternehmen ist allerdings noch mit zwei weiteren Sammelklagen konfrontiert. Ihm wird zum einen vorgeworfen, es versäumt zu haben, Angestellte vor ihrer Entlassung benachrichtigt zu haben. In der anderen Klage wird Twitter vorgeworfen, behinderte Beschäftigte diskriminiert zu haben, indem es ihnen nach der Übernahme durch Musk die Arbeit aus der Ferne untersagte.

Zu allem Überdruss kommen auch die Arbeiten an dem neuen Abomodell nicht voran. »Die Wiedereinführung von Blue Verified wird solange aufgeschoben, bis sichergestellt ist, dass die Nachahmung gestoppt wird«, schrieb Musk am Dienstag auf Twitter. Er stellte dabei in Aussicht, dass Organisationen künftig mit einer anderen Farbe markiert sein werden als Einzelpersonen.

Das blaue Häkchen war bisher den verifizierten Konten von Politikern, berühmten Persönlichkeiten, Journalisten und anderen Personen des öffentlichen Lebens vorbehalten. Anfang des Monats wurde es jedoch als eine Abooption eingeführt, die jedem offensteht, der dafür acht US-Dollar im Monat zahlt. Nachdem aber gefälschte Konten wie Pilze aus dem Boden schossen, wurde das Abo ausgesetzt.

Innerhalb des Unternehmens ist das Modell nicht unumstritten. Kritiker zweifeln, dass mit ihm eine Trendwende eingeläutet wird. Immerhin müssten sich 115 Millionen Nutzer zum Zahlen bereit erklären, damit Twitter die Gewinnspanne erreicht. Zu dem Zeitpunkt, als Twitter das Abo wieder stoppte, hatten es aber nur 150.000 Nutzer getan.

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