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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Andächtige Stille

Zu jW vom 22.11.: »Grünes Licht fürs Bomben«

Die Türkei, Mitglied des »Friedensbündnisses« NATO, beginnt einen neuen Krieg in einem ihrer Nachbarländer. Die deutsche Politik verharrt in andächtiger Stille. Die deutschen Leitmedien widmen ihre Aufmerksamkeit vorrangig einer Armbinde, die in Katar nicht getragen werden darf. Dort gehe es um Menschenrechte. Worum geht es dort, wo türkische Bomben niedergehen?

Joachim Seider, Berlin

Klimaschutz außen vor

Zu jW vom 18.11.: »Koloniale Arroganz«

In der Tat, der »Doppelsprech« in der kapitalistischen Politikerkaste nimmt bedenkliche Formen an. Nicht nur Olaf Scholz’ Gasfelder in Senegal zeigen das. Auf Seite neun in dieser jW-­Ausgabe ist zu lesen, wie die BRD und Frankreich Hunderte Millionen Euro investieren, damit Südafrika aus der Kohlekraft aussteigt – und gleichzeitig kauft die BRD vermehrt Steinkohle aus Südafrika, um Kohlekraftwerke in Deutschland weiter zu befeuern. Da jubeln Minenbosse und Aktienbesitzer, mit Klimaschutz und Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hat das null zu tun. Und das unermüdliche Befeuern des Ukraine-­Krieges seitens der NATO sowie der Sanktionskrieg gegen Russland sichern dem US-amerikanischen Frackinggasgeschäft einen Spitzenplatz in der EU. Das war wohl auch eines der Hauptziele der USA in diesem Stellvertreterkrieg. Das hat mit Klimaschutz gar nichts zu tun. Die Grünen als quasi politischer Flugzeugträger des US-Imperiums in der deutschen Politik funktionieren dabei wie geschmiert, dank ihrer Kommandeure Baerbock und Habeck und ihrer Lotsen im »Zentrum Liberale Moderne«.

Detlev Reichel, Tshwane/Südafrika

Fatale Rollenzuweisung

Zu jW vom 17.11.: »›Es kann jede soziale Bewegung treffen‹«

»Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass der Kapitalismus nicht in der Lage ist, ernsthaft gegen den Klimawandel vorzugehen – nicht zuletzt auch deshalb, weil er durch ihn verursacht wurde.« (…) Ebenso hätte der Interviewpartner auch sagen können: Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass Schwangerschaften eventuell durch Geschlechtsverkehr entstehen könnten. Als ob das eine Frage privater Meinung, losgelöst von jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis sei! Die einen sagen so, die anderen sagen so. Das eigentlich Fatale (…) jedoch (...) besteht darin, dass der Klimawandel in den Stand eines vom Menschen als fortlaufendem Mittäter getrennten, sich scheinbar verselbständigenden Phänomens erhoben und ihm damit die Rolle eines zu bekämpfenden und vermeintlich besiegbaren Feindes – bei genereller Beibehaltung der bisherigen destruktiven Produktions-, Distributions- sowie Konsumtionsweise – zugewiesen wird. Damit gelingt es den Herrschenden und den von ihnen mit Milliardensummen gekauften Lobbyisten in aller Welt, das Thema von der kausalen Mitverantwortungsebene zu trennen. (…)

Reinhard Hopp, Berlin

Fachwissen geht verloren

Zu jW vom 18.11.: »Regulierungsfall Deutsche Post«

Grundversorgung ist mit dem Ziel der Gewinnmaximierung schlichtweg nicht vereinbar. Dieser Widerspruch zwischen einer privatwirtschaftlichen Aktiengesellschaft und behördlichen Aufgaben hat zur Folge, dass wir uns postalisch jetzt in dieser Situation befinden. Der einzige Grund, weshalb sich dieses System bis heute halbwegs bewährt hat, ist, dass zwar in den 90ern behördliche Strukturen bei der Post abgebaut wurden, die Erfahrung und das Fachwissen zusammen mit den Mitarbeitern aber blieben. Jetzt erreichen die letzten dieser Mitarbeiter, die noch »die alte Post« kannten, langsam das Pensionsalter. Mit ihnen geht eine über Generationen angesammelte Facherfahrung verloren – und damit die Fähigkeit eines so großen Unternehmens, sich administrativ und gleichzeitig nachhaltig wirtschaftlich auf den Beinen zu halten.

Joachim Kürster, per E-Mail

Opportunismus der Linken

Zu jW vom 18.11.: »›Der Krieg ist durch nichts zu rechtfertigen‹«

Also, ich bleibe bei dem Befund: Die organisierte Linke in Deutschland ist weitgehend hinüber. Es mag noch Linke geben in Deutschland, vereinzelte, und die Bürger, die zu großen Teilen skeptisch dem gegenüberstehen, was ihnen so erzählt wird. Aber wenn, wie im Interview oben, die »Analyse« des Weges in den Krieg seitens der »KriegsgegnerInnen« schon so ausfällt, wie sie ausfällt, dann kann der Protest inhaltlich gar nicht jene adressieren, die wirklich verantwortlich sind. Er bleibt also ein allgemein-moralisierender Protest und ist damit eine ganz staatstragende Angelegenheit. Es wird nicht der Versuch unternommen, das konkrete Interesse der Bevölkerung zu organisieren, sondern es wird in humanistischer Absicht eine ganz leere, wirkungslose Geste vollzogen. Es ist erstaunlich: Dieselben Leute, die jahrelang nicht müde wurden, nachträglich die Noskes und Eberts dieser Welt zu verfluchen, die Leute, die sich jahrzehntelang in Der-Hauptfeind-steht-im-eigenen-Lande-Folklore ergingen, Leute, die mit nachträglich stolzgeschwellter Brust die gerechte Sache aller Arbeiter der Weltgeschichte wortreich ins Antlitz schmetterten, diese Leute fallen jetzt um, noch bevor auch nur ein leiser Hauch von Repression ihnen ins Gesicht pustet. Diese intellektuellen Scheinriesen unter roten Fahnen würden eine revolutionäre Situation gar nicht erkennen, und noch bevor es eine solche tatsächlich gibt, händigen sie den Protest lieber den Rechten aus! Das bürgerliche Harmoniebedürfnis mag nicht Ross und Reiter benennen, es fragt nicht: »Wem nützt es?« Und auch nicht: »Wer wen?« Damit steht der ekelerregendste Opportunismus der Geschichte, nämlich der Opportunismus der Linken, ihr informelles Weicheiertum, objektiv auf der Seite jener, denen dieser Krieg und das Sterben noch nicht lange genug gedauert haben.

Simon Berger, per E-Mail

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