75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Montag, 28. November 2022, Nr. 277
Die junge Welt wird von 2690 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €

Leserbrief verfassen

Betr.: Artikel Pilotabschluss übernommen

Artikel »Pilotabschluss übernommen« einblenden / ausblenden

Pilotabschluss übernommen

Abschluss in Runde drei: Einigung bei VW entspricht Metall- und Elektroabschluss aus Baden-Württemberg. Weitere Tarifgebiete ziehen mit

Noch vor Ende der Friedenspflicht, das heißt ganz ohne Streiks, konnte sich die IG Metall mit der Volkswagen AG am Dienstag abend auf einen neuen Haustarifvertrag einigen. Beim Entgelt entspricht dieser dem vorige Woche erzielten Abschluss in Baden-Württemberg. Unterdessen hat die IG Metall in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland den in Baden-Württemberg abgeschlossenen Pilottarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie übernommen.

Nach rund zwölfstündiger Verhandlung stand ein Ergebnis für die etwa 125.000 Beschäftigten in den Werken Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg sowie bei den VW-Töchtern Financial Services, Immobilien und DX One GmbH. Für die ostdeutschen Werke wird der Abschluss von der VW Sachsen GmbH voraussichtlich übernommen. Zum 1. Juni 2023 steigen Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,2 Prozent, zum 1. Mai 2024 um nochmals 3,3 Prozent. Damit läuft der Tarifvertrag ebenso wie der Pilotabschluss der IG Metall in Baden-Württemberg 24 Monate. Wie dort wurde eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro vereinbart, die in zwei Schritten im Februar kommenden Jahres sowie im Januar 2024 gezahlt wird. Auszubildende bekommen die Hälfte.

Der VW-Haustarifvertrag umfasst zudem eine ganze Reihe an Besonderheiten: So können künftig alle Beschäftigten von der Option »Freie Tage statt mehr Geld« bei der tariflichen Zusatzvergütung profitieren. Entweder streichen sie die Extrazahlung in Höhe von 27,5 Prozent des Monatsentgelts im August komplett ein, entscheiden sich wahlweise für die Aufteilung in 13,75 Prozent Cash und zusätzliche drei freie Tage oder aber wandeln die Zusatzvergütung in sechs freie Tage um. Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit wird in der vorliegenden Form fortgesetzt und bis zum 31. Dezember 2027 verlängert. Auch der Zuschuss für die dual Studierenden bei VW steigt: Sie bekommen künftig 395 statt 350 Euro zur Begleichung ihrer Hochschulbeiträge. Die »Leistungsorientierte Einmalzahlung« für dual Studierende und Auszubildende steigt von 467 auf 500 Euro und wird im Mai ausgezahlt. Schließlich bleibt es bei der Zahl von 1.400 Ausbildungsplätzen jährlich.

Thorsten Gröger, IG-Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Verhandlungsführer auf seiten der Gewerkschaft, lobte den Druck, den mehr als 4.000 Beschäftigte mit einer Protestaktion parallel zur zweiten Verhandlungsrunde auf die VW-Chefs ausgeübt hätten. »Das führte dazu, dass Volkswagen endlich eingelenkt hat und heute, in der dritten Zusammenkunft, ein Angebot präsentierte, über das sich verhandeln ließ.« Kurz vor Ende der Friedenspflicht habe VW damit »noch mal die Kurve bekommen«. Gröger betonte die Bedeutung der Inflationsausgleichsprämie, deren erster Teil in Höhe von 2.000 Euro im Februar ausgezahlt werde. »Damit können aufkommende Härten, die durch die Preissteigerungen beim Einkaufen, beim Tanken oder beim Heizen entstehen, kurzfristig aufgefangen und abgefedert werden.« Ebenfalls entlastend für die Beschäftigten wirke dann die prozentuale Entgelterhöhung zum Juni.

Zusammen mit den von der Politik eingeleiteten Entlastungen wie Einmalzahlungen, Strom- und Gaspreisbremse entstehe ein Gesamtpaket, »das die Wucht der Inflation eindämmt. Tarifpolitik alleine kann die Dynamik der Teuerungen nicht vollständig auffangen, aber mit unserem Abschluss leisten wir in historisch schwierigen Zeiten einen Beitrag, damit die Beschäftigten besser durch die Krise kommen«, erklärte Gröger. Die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo würdigte den Abschluss als »richtig solide«. Neben mehr Geld für die Beschäftigten sei auch sehr positiv, dass »zentrale VW-Themen wie Altersteilzeit und mehr freie Tage geregelt« seien.

Leserbriefe müssen redaktionell freigeschaltet werden, bevor sie auf jungewelt.de erscheinen. Bitte beachten Sie, dass wir die Leserbriefe Montags bis Freitags zwischen 10 und 18 Uhr betreuen, es kann also einige Stunden dauern, bis Ihr Leserbrief freigeschaltet wird.

Sie erklären sich damit einverstanden, dass wir dessen Inhalt ggfls. gekürzt in der gedruckten bzw. Online-Ausgabe der Tageszeitung junge Welt und in sog. sozialen Netzwerken wiedergeben können. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Die junge Welt behält sich Kürzung Ihres Leserbriefs vor.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette (einblenden / ausblenden)

Netiquette

Liebe Leserin, lieber Leser,

bitte beachten Sie die folgenden Hinweise für Ihre Beiträge zur Debatte.

Ihr Leserbrief sollte sich auf das Thema des Artikels beziehen. Veröffentlicht wird Ihr Beitrag unter Angabe Ihres Namens und Ihres Wohnortes. Nachname und Wohnort können abgekürzt werden. Bitte denken Sie daran, dass Ihr Text auch nach Jahren noch im Internet auffindbar sein wird. Wir behalten uns eine redaktionelle Prüfung vor, ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Für uns und unsere Leser sind Ihre eigenen Argumente interessant. Texte anderer sollen hier nicht verwendet werden. Bitte bleiben Sie auch im Meinungsstreit höflich. Schmähungen oder Schimpfwörter, aggressive oder vulgäre Sprache haben hier keinen Platz. Denken Sie daran: »Auch der Haß gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge.« (Bertolt Brecht)

Äußerungen, die als diskriminierend, diffamierend oder rassistisch aufgefasst werden können, werden nicht toleriert. Hinweise auf kommerzielle Angebote jeder Art sind ausdrücklich nicht gewünscht. Bitte achten Sie auf die Orthografie und bitte nicht »schreien«: Beiträge, die in Großbuchstaben abgefasst wurden, werden von uns gelöscht.

Die Moderation bedeutet für unsere Redaktion einen zusätzlichen Aufwand: Leserbriefe zu älteren Artikeln sind deshalb nur befristet möglich. Außerdem kann es etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis die Redaktion Ihren Leserbrief bearbeiten kann, dafür bitten wir um Verständnis. Orthografische Änderungen durch die Moderation machen wir nicht kenntlich, Streichungen mit eckigen Klammern.

Viel Freude am Debattieren!