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Betr.: Artikel Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow

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Ich denke nicht, dass Bodo Ramelow dem Bild des typischen Wessis entspricht. Das ist zu primitiv gezeichnet. Ich erinnere mich noch gut an die Podiumsdiskussion mit Sahra Wagenknecht, Gerd Jüttemann und Bodo Ramelow auf dem nd-Medienspektakel auf dem »hohen Loh« in Suhl im Jahr 1998, als der gemeinsame Gegner ein gewisser Kohl war, Vorname und Partei sind mir entfallen. Ich sehe es völlig anders. Nämlich als eine alldeutsche politische Ideologie der Parteien, die keine Grundsätze mehr kennen, deren Programme nicht einmal zum Reinigen des Anus taugen, sondern bei Eignern einer Ofenheizung nur zum Anzünden des Holzes mit den spärlichen Briketts darüber dienen – so die Kohle überhaupt lieferbar ist. Sämtliche Parteien der BRD haben den Schwenk von einer individuellen politischen Idee hin zur Meinungsumfragepolitik vollzogen. Sie bedienen nur eine ausgesuchte Klientel und haben für Frierende nicht einmal mehr heiße Luft übrig. Ihre Repräsentanten, wie Bodo Ramelow sind nichts weiter als Schmierlappen, die von der Hand der tatsächlich Herrschenden geführt werden. Den Herrschenden geht es nur um Machterhalt. Darum sind die Programme der Parteien so unterschiedlich wie die Waschmittelsorten – nämlich nur in Verpackung und Werbung. Das ist nämlich der Grund, weshalb die Bevölkerung sich angewidert von der Politik zurückzieht. Die Linke hat da als erste versagt und schon war die neue AfD der Hoffnungsträger, dass diese Partei tatsächlich wieder »Volksgemeinschaft« herstellt. Dass dabei Buchenwald grüßen lässt, merken sie nicht. Diese falschen Hoffnungen »Wir sind alle gleich deutsch und gut« bröckeln, aber es wird noch dauern, bis auch diese Träumereien von (…) Höcke begraben werden. Wir brauchen eine Partei, die den Spießern das Fürchten lehrt, deren Mitglieder den Klassenkampf führen und nicht verdrängen, die sich nicht an althergebrachtem festkleben, sondern den Systemwechsel vollziehen wollen. 1918 wurde durch Ungehorsam der Krieg beendet. Auf ein Neues!

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Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow

Waren das gute alte Zeiten, als lediglich der Teufel dem Martin Luther auf der Wartburg im Thüringischen erschien und mit Tintenfasswurf bekämpft werden konnte. Heute lauert hinter jedem Tannenbaum im »grünen Herzen Deutschlands« der Russe. Landesvater Bodo Ramelow warnt jedenfalls am Montag in der Süddeutschen Zeitung: »Russland führt seinen Krieg auch in Deutschland an der Tankstelle, beim Strom- und Gaspreis und auch an jedem Montag hier in Thüringen.« Im »Angesicht des Bösen« (Frank-Walter Steinmeier) wird selbst der fromme Niedersachse zum Rächer von Witwen und Waisen: »Der Druck auf Putin und die Kleptokratie muss wachsen.« Alle Vermögenswerte und Geschäftsanteile der Oligarchen sollten »einkassiert« werden. Deutsche Milliardäre sind nicht gemeint. Fürs Wegnehmen müssen vor allem jedoch Waffen her. »Früher« sei er gegen deren Export gewesen, sagt der neue Robin Hood, heute füge er hinzu: Wer angegriffen wird, hat das Recht, sich zu verteidigen. Ob das auch für die Bewohner des Donbass gilt, in deren Wohngebiete Kiews Armee seit 2014 hineinschießt und jetzt durch US- und deutsche Kanonen mit noch größerer Reichweite, erfahren die Leser nicht. Jedenfalls reicht der bisherige Massenmord durch Kiew Ramelow offenbar nicht. Auch sein Bruder im Geiste, Anton »Panzertoni« Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), findet das nicht genug. Der verlangte laut Montags-FAZ von Polen zehn »Leopard« für Kiew. Das erhöhe den Druck auf Berlin, »seinerseits zum Beispiel 50 Stück zu geben«.

Ramelows Waffenneigung sei »nicht die Position der Partei, wir machen Alternativen zur militärischen Logik stark«, rüffelte der Linke-Kovorsitzende Martin Schirdewan in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er teile aber Ramelows Auffassung, »dass der Druck auf Putin steigen muss«. Ein guter Ansatz auf dem Weg vom Tintenfass zur Artillerie.

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