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Betr.: Artikel Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow

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Herrn Ramelows Hass auf so ziemlich alles, was einst in der Deutschen Demokratischen Republik, so auch die Deutsch-Sowjetische Freundschaft, zur Realität gehörte, ist seit Jahren bekannt. Das entstammt seinem, im Westteil Deutschlands, von Kindesbeinen an anerzogenen Kommunistenhass, dessen Kern der Antisowjetismus war und der nach 1991, also nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in bereits aus der Kaiserzeit stammenden Russenhass – »Wir müssen eventuell dem Russen soviel Blut abzapfen, dass derselbe sich nicht erleichtert fühlt, sondern 25 Jahre außerstande ist, auf den Beinen zu stehen. Wir müssen die wirtschaftlichen Hilfsquellen für lange hinaus durch Verwüstung seiner Schwarzerd-Gouvernements, Bombardierung seiner Küstenstädte, möglichste Zerstörung seiner Industrie und seines Handels zuschütten. Wir müssten endlich Russland von seinen beiden Meeren, der Ostsee und dem Schwarzen Meer, abdrängen, auf denen seine Weltstellung beruht.« (Bernhard von Bülow, Botschaftsrat in St. Petersburg, Bericht vom 10. Dezember 1887 an das Auswärtige Amt, Zitiert nach: Infoheft »Freidenker«, 81. Jahrgang, Nr. 1-22 April 2022, S.37 f) – umgemünzt wurde. Eine scheinbare Ausnahme bildete wohl nur die Jelzin- Ära, da von ihm keinerlei Gegenwehr bei Ausplünderung, Unterjochung und beabsichtigter Zerschlagung Russlands zu erwarten war. Herr Ramelow, dessen Herkunft aus der BRD – ohne hier eine Pauschalisierung gegenüber den Bürgern der »alten« BRD vornehmen zu wollen – im Grunde genommen nicht viel Anderes erwarten lässt, ist genauso »links«, wie einst die SPD-Führung »links« war, die 1914, im siegestrunkenem Taumel fürs deutsche Vaterland, den Kriegskrediten für den Ersten Weltkrieg zustimmte. Kurz zur Erinnerung, Herr Ministerpräsident: Zweimal hat das innerhalb von nur 30 Jahren im 20. Jh. nicht geklappt. Zu hoffen bleibt nur, dass er in Bezug auf die Montagsdemos in Thüringen nicht noch die Papiere des »Genossen« Noske (»Einer muss der Bluthund sein.«) findet.

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Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow

Waren das gute alte Zeiten, als lediglich der Teufel dem Martin Luther auf der Wartburg im Thüringischen erschien und mit Tintenfasswurf bekämpft werden konnte. Heute lauert hinter jedem Tannenbaum im »grünen Herzen Deutschlands« der Russe. Landesvater Bodo Ramelow warnt jedenfalls am Montag in der Süddeutschen Zeitung: »Russland führt seinen Krieg auch in Deutschland an der Tankstelle, beim Strom- und Gaspreis und auch an jedem Montag hier in Thüringen.« Im »Angesicht des Bösen« (Frank-Walter Steinmeier) wird selbst der fromme Niedersachse zum Rächer von Witwen und Waisen: »Der Druck auf Putin und die Kleptokratie muss wachsen.« Alle Vermögenswerte und Geschäftsanteile der Oligarchen sollten »einkassiert« werden. Deutsche Milliardäre sind nicht gemeint. Fürs Wegnehmen müssen vor allem jedoch Waffen her. »Früher« sei er gegen deren Export gewesen, sagt der neue Robin Hood, heute füge er hinzu: Wer angegriffen wird, hat das Recht, sich zu verteidigen. Ob das auch für die Bewohner des Donbass gilt, in deren Wohngebiete Kiews Armee seit 2014 hineinschießt und jetzt durch US- und deutsche Kanonen mit noch größerer Reichweite, erfahren die Leser nicht. Jedenfalls reicht der bisherige Massenmord durch Kiew Ramelow offenbar nicht. Auch sein Bruder im Geiste, Anton »Panzertoni« Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), findet das nicht genug. Der verlangte laut Montags-FAZ von Polen zehn »Leopard« für Kiew. Das erhöhe den Druck auf Berlin, »seinerseits zum Beispiel 50 Stück zu geben«.

Ramelows Waffenneigung sei »nicht die Position der Partei, wir machen Alternativen zur militärischen Logik stark«, rüffelte der Linke-Kovorsitzende Martin Schirdewan in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er teile aber Ramelows Auffassung, »dass der Druck auf Putin steigen muss«. Ein guter Ansatz auf dem Weg vom Tintenfass zur Artillerie.

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