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Betr.: Artikel Scharfe Gazpacho

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Scharfe Gazpacho

Unterzeile

In Plauen wird es uns zu heiß – rundherum brennen die Bäume. »Mädels, ich hab’ noch eine Platte in Berlin!« Udo meint seine alte Wohnung im 12. Stock. Letztens dachte ich daran, meinte aber, sie sei untervermietet. »Ist sie auch. Aber mein Mieter ist selbst verreist. Wir dürfen da Ferien machen«, erzählt er erfreut. Ich lese mich ein: »Die Anhöhen von Marzahn-Hellersdorf entstanden in der Eiszeit und wurden durch Ablagerung von Schutt und beim Bau von Wohnhäusern erhöht und verdichtet.« Ferien im Bergdorf, herrlich! Doris kommt leider nicht mit, sie ist mit dem Hund zu ihrer Mutter. »Hat übrigens Ärger, meine Kleine.« Udo zieht die Stirn in Falten. »Wisst ihr, dass sie auf Arbeit gemobbt wird wegen mir? Sie hat im Kollegenkreis treuherzig erzählt, dass ihr Freund glaubt, die Coronapandemie sei eine Riesenvermarktungskampagne von Biotechnologie, Pharma und IT gewesen. Erst seien Coronaviren im Labor absichtlich fieser gemacht worden, (vulgo für ›gain of ­function‹) und dann auf die Menschheit losgelassen, genau wie HIV und jetzt Affenpocken, damit wir ihnen aus Angst vor Krankheit, Tod und Cancel Culture die Taschen vollschaufeln für ihre minderwertigen Masken und Impfungen. Hat die mich da zitiert! Natürlich war sie gleich das Liebchen eines Putinverstehers, der bestimmt bei der AfD ist, das kommt bei diesen Denkmessies alles in eine Schublade.«

Während Udo doziert und Rossi unseren alten Peugeot ruhig die A Dings Richtung Berlin steuert, hänge ich meinen Gedanken nach. »Ach, du isst kein Fleisch? Adolf Hitler war auch Vegetarier.« Wie oft habe ich mir das anhören müssen in den 80ern und fortfolgend. Die Leute kamen sich so toll vor, wenn sie mir erklärten, dass Natur- und Tierschutz schon bei den Nazis großgeschrieben wurden. »Blut und Boden, wa?« Heute hören sich die gleichen Freunde ganz anders an. »Also, unsere Tochter ist ja Veganerin, und wir essen auch kaum noch Fleisch, entsetzlich, diese Massentierhaltung, bla bla …« Irgendwie müssen sie zu der Einsicht gekommen sein, dass eine Bevorzugung pflanzlicher Nahrung nicht automatisch mit dem Verlangen einhergeht, das europäische Judentum zu vernichten. Diese beachtliche Intelligenzleistung gibt Anlass zur Hoffnung und macht die folgende Speise politisch unverdächtig – ein Glück bei dieser Hitze:

Scharfe Gazpacho (kalte Gemüsesuppe):

Eine Knoblauchzehe, eine kleine Zwiebel, eine Chilischote grob hacken. Eine Tomate entkernen, Fruchtfleisch fein würfeln und beiseite legen. 600 g geschälte Tomaten zerkleinern. Drei Viertel einer gelben Paprikaschote in grobe Stücke schneiden, ein Viertel fein würfeln und beiseite stellen. Mit einer Salatgurke ebenso verfahren. Alle Gemüse außer den feinen Würfeln zusammen mit 50 g gemahlenen Mandeln, vier EL Olivenöl, drei EL Rotweinessig, einem TL Agavendicksaft, Salz und Pfeffer im Mixer fein pürieren. Zwei Stunden kalt stellen. 50 g gehackte Mandeln in einer Pfanne unter Wenden goldbraun rösten. Gazpacho in tiefe Teller oder Gläser füllen. Mit den Gemüsewürfeln, gerösteten Mandeln und frischer Petersilie bestreuen. Dazu trockener Landwein und viel Wasser.

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