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Die Opfer mahnen

77. Jahrestag des US-Atombombenabwurfs auf Hiroshima: Bundesweit mehr als 100 Friedensveranstaltungen. UN-Generalsekretär warnt vor Vernichtung der Menschheit

An diesem Sonnabend jährt sich der US-Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroshima zum 77. Mal. Drei Tage später, am 9. August 1945, zerstörten die USA mit einer weiteren Atombombe Nagasaki. Etwa 92.000 Menschen starben sofort, 130.000 weitere bis Ende 1945. Gesundheitliche Spätfolgen werden bis heute registriert.

Bundesweit finden insgesamt mehr als 100 Veranstaltungen der Friedensbewegung statt, darunter die traditionelle an der von Japan der DDR geschenkten Weltfriedensglocke im Berliner Volkspark Friedrichshain. Das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn rief am Freitag die Bundesregierung auf, konsequent gegen die anhaltende atomare Bedrohung vorzugehen, die in der Bundesrepublik stationierten US-Atomwaffen abziehen zu lassen und dem Atomwaffenverbotsvertrag schnellstmöglich beizutreten. Weltweit gibt es noch immer rund 13.000 Atomwaffen, darunter etwa 1.800, die in ständiger Alarmbereitschaft gehalten werden.

Die Gedenktage fallen in diesem Jahr in den Zeitraum der 10. Überprüfungskonferenz des 1970 unterzeichneten Nichtverbreitungsvertrags für Atomwaffen (NVV) bei den Vereinten Nationen in New York. Sie findet vom 1. bis 26. August statt, nachdem sie wegen der Pandemie 2020 und 2021 verschoben werden musste. Die bundesweite Kampagne »Büchel ist überall! Atomwaffenfrei jetzt« nahm die Konferenz zum Anlass, um von der Bundesregierung die Beendigung der »nuklearen Teilhabe« zu fordern. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP bekennen sich im Koalitionsvertrag zu ihr, obwohl sich Teile der SPD und der Grünen im Bundestagswahlkampf 2021 gegen sie ausgesprochen hatten. Die »nukleare Teilhabe«, für die etwa 20 US-Atombomben im rheinland-pfälzischen Büchel gelagert werden, verletzt den NVV. Durch den Beitritt zu ihm verzichtete die Bundesrepublik auf Atomwaffen, übernimmt diese aber durch die »nukleare Teilhabe« mittelbar – im Kriegsfall unmittelbar. In den kommenden Jahren sollen die in Büchel gelagerten Atomwaffen gegen neue, »einsetzbarere« Atombomben (B61-12) ausgetauscht werden. Dafür hat Berlin den Kauf von F-35-Kampfjets, die US-Atombomben tragen können, beschlossen.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Montag die Überprüfungskonferenz mit einer dramatischen Warnung eingeleitet. Er erklärte, die Welt befinde sich in einer »Zeit nuklearer Gefahr, wie es sie seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr gegeben hat«. Die Menschheit laufe »Gefahr, die Lehren zu vergessen, die in den schrecklichen Feuern von Hiroshima und Nagasaki geschmiedet wurden«. Die Welt sei »nur ein Missverständnis oder eine Fehlkalkulation von der nuklearen Vernichtung entfernt«. Bei Bundesaußenministerin Annalena Baer­bock und ihrem US-Amtskollegen Antony Blinken stieß er mit seinem Appell auf taube Ohren. Sie nutzten ihre Auftritte zu Hetze gegen Russland, dem sie »gefährliches nukleares Säbelrasseln« vorwarfen. Baerbock behauptete: »Der brutale Angriffskrieg Russlands macht deutlich, dass Nuklearwaffen leider eine bittere Realität sind.« Und erklärte: »Der Einsatz für nukleare Nichtverbreitung und nukleare Abschreckung sind in diesen Zeiten kein Widerspruch.«

Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte wie schon mehrfach in diesem Jahr in einem Grußwort an die NVV-Konferenz: »Wir gehen davon aus, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann und er niemals begonnen werden darf.« Russland werde seine Verpflichtungen als NVV-Gründungsmitglied erfüllen.

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