75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Montag, 17. Januar 2022, Nr. 13
Die junge Welt wird von 2602 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €

Leserbrief verfassen

Betr.: Artikel Aus Leserbriefen an die Redaktion

Artikel »Aus Leserbriefen an die Redaktion« einblenden / ausblenden

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Sinkendes Schiff

Zu jW vom 7.1.: »›Wir wollen dieses System nicht heilen, sondern müssen es überwinden!‹«

Über den Umgang mit dem Ältestenrat der Partei Die Linke wundere ich mich nicht. Auch ich habe die Partei verlassen, da ich den Umgang mit mir und anderen Genossinnen nicht mehr akzeptieren konnte. Das von der Basis erarbeitete Parteiprogramm ist nur Makulatur und wird, bedingt durch machtpolitische Interessen, mit Füßen getreten. Wozu der ganze Aufwand zur Erarbeitung eines Programmes betrieben wird, ist mir schleierhaft. Viele Menschen werden bewegt, viele Debatten geführt, und nicht zuletzt wird viel Geld ausgegeben, um ein Programm zu erarbeiten, das sich nur auf dem Papier wiederfindet. Geht es um den Erhalt von Machtstrukturen, spielt das Parteiprogramm vor allem unter sozialpolitischen Aspekten absolut keine Rolle. Hinzu kommt, dass sich Die Linke von den Interessen ihrer Wählerinnen verabschiedet hat und sich lieber mit der Diskreditierung prominenter und auch weniger prominenter Genossinnen beschäftigt. Kritik wird nicht als konstruktiv empfunden, sondern kaltgestellt. Strategien müssen sich der Deutungshoheit bestimmter Interessengruppen unterordnen und bleiben auf der Stecke oder sind erst gar nicht vorhanden. Wie will man auf diese Weise ein System überwinden? Für mich ist die Partei ein sinkendes Schiff, vorhandene Probleme sind hausgemacht, und der interne Machtkampf tobt. Abschließend bleibt zu sagen: Die Linke hat die Jahre Lebenszeit, die ich in die Partei investiert habe, nicht verdient. (…)

Doris Petras, per E-Mail

Gut inszeniert

Zu jW vom 10.1.: »Falle der Äquidistanz«

Die Aussage Martin Lennings, Marinus van der Lubbe sei von ihm erst nach bereits erfolgter Brandlegung dem Reichstag zugeführt worden, erhält bereits dadurch Unterstützung, dass die offizielle Version vom Einstieg in das Reichstagsrestaurant gleich neben dem Haupteingang aus vielerlei Gründen nicht stimmen kann. Auch wäre van der Lubbe angesichts der enormen Sehbehinderung kaum in der Lage gewesen, sich in dem stockfinsteren Gebäude zu orientieren, schon gar nicht mit Hilfe einer fackelartigen Verbrennung von Teilen seiner Oberbekleidung. Dass es die nicht gegeben haben kann, belegen die Polizeifotos aus der Tatnacht: Da trägt van der Lubbe nämlich genau die Kleidung, die er angeblich vorher entzündet haben will. Was unabhängige Zeugen aus Richtung der behaupteten Einstiegsstelle an Scheibenklirren oder Lichtschein wahrgenommen haben, stünde somit im Lichte einer geschickten Inszenierung.

Hartmut Böhm, Osnabrück

Fehlende Selbstkritik

Zu jW vom 13.1.: »Verschiebung der Front«

Das Argument der NATO, jede Nation könne ja wohl frei entscheiden, ob sie dem Bündnis beitreten möchte oder nicht, ist so bescheuert. Es stimmt wohl, dass die Ukraine selber wählen kann, ob sie in die NATO will, nur: Die NATO muss sie deswegen doch noch lange nicht aufnehmen! Wo steht denn geschrieben, dass jeder, der nur will, auch in die NATO aufgenommen wird? Die Türkei (und andere Länder) wollte auch mal gerne in die EU. Wurde sie (und andere Länder) deswegen direkt mit offenen Armen aufgenommen? Nein, aus vielerlei Gründen. Und genauso kann es Gründe geben, dass die NATO der Ukraine mitteilt, dass es auf absehbare Zeit leider nichts wird mit dem Beitritt, zum Beispiel aus Rücksichtnahme auf die Sicherheitsinteressen Russlands. Was ja in Wechselwirkung mit den Sicherheitsinteressen der westlichen Nachbarn steht, trüge das doch zur Entspannung bei, anstatt Russland ständig zu provozieren, was zu Spannungen führt. Aber diese Perspektive hinzubekommen erfordert ein hohes Maß an Reflexion und Selbstkritik, um diese maßlose Ignoranz gegenüber russischen Sicherheitsinteressen zu durchbrechen, weil sämtliche Militäraufmärsche des Westens angeblich immer nur dem Frieden dienen und defensiver Natur sind, während alles, was Russland tut, immer aggressiv und bösartig ist. Der logische Schluss aus diesem Selbstbild ist dann natürlich auch Unverständnis gegenüber den russischen Sorgen, denn: Warum sollte man vor der NATO Angst haben? Sie sind ja schließlich die Guten! Ist ja schön, dass der Westen dieses Selbstbild pflegt, aber um zu Ergebnissen zu kommen, muss man auch den Standpunkt der anderen Seite anerkennen bzw. zu verstehen versuchen. Und selbst wenn man ihn nicht versteht und ihn für unsinnig hält, kann bzw. muss man ihn respektieren und versuchen damit umzugehen. Speziell hier, wo es um militärische Konfrontation von Atommächten geht. Bisher sind die einzigen vernünftigen Akteure in der Angelegenheit die Russen.

Ralf Schuster, Gießen

Genau richtig

Zu jW vom 10.1.: »Kopf oben halten!«

Für mich als friedensaktive Berlinerin war die XXVII. Rosa-Luxemburg-Konferenz genau das Richtige zur richtigen Zeit! Ihr habt die Friedensbewegung ins Scheinwerferlicht gehoben, genau jetzt, in dieser ungemütlichen politischen Großwetterlage, die immer strenger nach Eisen riecht. Danke auch für die erinnerungsstützende Aufbereitung der Abschlussdiskussion »Wie wir den nächsten großen Krieg verhindern«, die die so wichtige Fragen nahelegt: Wie schaffen wir es, Friedenspolitik in der Bevölkerung zu einem bedeutsamen Thema zu machen, das sich nicht zuletzt auf der Straße zeigt? Wie können wir dem Großraum der Desinformation in bezug auf Russland und China wirkmächtig entgegentreten? Wie können wir die Steuerverschwendung durch Aufrüstung bei Leistungsdefiziten in fast allen anderen staatlichen Bereichen skandalisieren? Wie können wir Bündnisse schmieden, die gewichtig genug sind, um nicht übergangen zu werden? Wie mehr Lust am (gemeinsamen) Kampf für Frieden entwickeln? Das, liebe Leute, wird sich nicht in einem Atemzug, an einem Tag beantworten lassen. Aber dass wir dranbleiben müssen, ist keine Frage!

Ingrid Koschmieder, Berlin

Leserbriefe müssen redaktionell freigeschaltet werden, bevor sie auf jungewelt.de erscheinen. Bitte beachten Sie, dass wir die Leserbriefe Montags bis Freitags zwischen 10 und 18 Uhr betreuen, es kann also einige Stunden dauern, bis Ihr Leserbrief freigeschaltet wird.

Sie erklären sich damit einverstanden, dass wir dessen Inhalt ggfls. gekürzt in der gedruckten bzw. Online-Ausgabe der Tageszeitung junge Welt und in sog. sozialen Netzwerken wiedergeben können. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Die junge Welt behält sich Kürzung Ihres Leserbriefs vor.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette (einblenden / ausblenden)

Netiquette

Liebe Leserin, lieber Leser,

bitte beachten Sie die folgenden Hinweise für Ihre Beiträge zur Debatte.

Ihr Leserbrief sollte sich auf das Thema des Artikels beziehen. Veröffentlicht wird Ihr Beitrag unter Angabe Ihres Namens und Ihres Wohnortes. Nachname und Wohnort können abgekürzt werden. Bitte denken Sie daran, dass Ihr Text auch nach Jahren noch im Internet auffindbar sein wird. Wir behalten uns eine redaktionelle Prüfung vor, ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Für uns und unsere Leser sind Ihre eigenen Argumente interessant. Texte anderer sollen hier nicht verwendet werden. Bitte bleiben Sie auch im Meinungsstreit höflich. Schmähungen oder Schimpfwörter, aggressive oder vulgäre Sprache haben hier keinen Platz. Denken Sie daran: »Auch der Haß gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge.« (Bertolt Brecht)

Äußerungen, die als diskriminierend, diffamierend oder rassistisch aufgefasst werden können, werden nicht toleriert. Hinweise auf kommerzielle Angebote jeder Art sind ausdrücklich nicht gewünscht. Bitte achten Sie auf die Orthografie und bitte nicht »schreien«: Beiträge, die in Großbuchstaben abgefasst wurden, werden von uns gelöscht.

Die Moderation bedeutet für unsere Redaktion einen zusätzlichen Aufwand: Leserbriefe zu älteren Artikeln sind deshalb nur befristet möglich. Außerdem kann es etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis die Redaktion Ihren Leserbrief bearbeiten kann, dafür bitten wir um Verständnis. Orthografische Änderungen durch die Moderation machen wir nicht kenntlich, Streichungen mit eckigen Klammern.

Viel Freude am Debattieren!