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Friedensstifter Moskau

Verhandlungen Armenien–Türkei

Es war bis vor kurzem schwer vorstellbar, dass Armenien und die Türkei Verhandlungen über die Normalisierung ihrer Beziehungen führen könnten – und das auch noch mit Aussicht auf Erfolg. Beide Länder unterhalten keine diplomatischen Kontakte. Die Türkei hat die Grenze zu Armenien seit 1993 geschlossen, sie weigert sich bis heute, den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich anzuerkennen. Noch im Herbst 2020 hat die türkische Armee im Krieg um Berg-Karabach Armeniens Todfeind Aserbaidschan den Sieg verschafft. Und dennoch kamen am Freitag Regierungsvertreter aus Ankara und aus Jerewan in Moskau zusammen, um über Möglichkeiten zur Beilegung des Konflikts zu beraten. Fänden sie Wege dazu, es wäre ein gewaltiger Fortschritt für die gesamte Region.

Dabei stehen die Chancen nicht schlecht. Die Türkei hat derzeit starkes Interesse, sich einen Landkorridor in das Kaspische Becken zu öffnen, ohne auf Wege über iranisches Territorium angewiesen zu sein. Das ginge recht problemlos über die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan, die an die Türkei grenzt, und Aserbaidschan. Dazwischen läge freilich eine Strecke über armenisches Hoheitsgebiet. Dass sie als Transportkorridor dienen soll, ist schon in dem Waffenstillstandsabkommen festgelegt, das den Berg-Karabach-Krieg beendete – über die genauen Modalitäten muss nun verhandelt werden. Armenien wird Gegenleistungen fordern können, eine Grenzöffnung etwa, die es für seine Wirtschaft längst dringend braucht.

Russland wird bei alledem wohl eine zentrale Rolle spielen. Schon der Waffenstillstand nach dem Berg-Karabach-Krieg ging auf Vermittlung Moskaus zurück. Das dabei geschlossene Abkommen sieht eine russische Überwachung des Verkehrs aus Nachitschewan über die armenische Teilstrecke nach Aserbaidschan vor. Moskau bietet sich auch sonst als Vermittler zwischen Armenien und der Türkei an: Es hat gute Beziehungen zu Jerewan, und es hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, mit Ankara Verhandlungslösungen zu erzielen, gerade auch dann, wenn beide – etwa in Syrien oder in Libyen – verfeindete Kräfte unterstützen. Dies funktioniert, obwohl beide genug Differenzen haben. Um nur eine zu nennen: Die Türkei rüstet die ­Ukraine energisch auf.

Die türkisch-russische Zusammenarbeit floriert zur Zeit dennoch, weil es beiden Staaten gelingt, gemeinsam Konflikte beizulegen, ohne dass Westeuropa oder Nordamerika beteiligt sind. Daran haben beide Interesse, denn es trägt dazu bei, Breschen in die globale Dominanz des alten Westens zu schlagen. Davon wiederum profitieren sowohl Moskau wie auch Ankara. Ihre Kooperation trägt ihr Scherflein zum Machtverlust, zum Abstieg des alten Westens bei. Nach Syrien ist nun wohl der Südkaukasus dran. Ob der Plan aufgeht? Man wird sehen. Nicht nur für Armenien steht dabei viel auf dem Spiel.

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