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Skifoan geht immer

Hotspot Ischgl ohne Konsequenzen

Österreich ist weltweit für vieles bekannt. Für Schnitzel zum Beispiel. Oder die Wiener Philharmoniker. Oder auch den großen Après-Ski-Coronacluster vom März 2020 im Tiroler Wintersportort Ischgl. Aus der Alpenballermannkneipe »Kitzloch« heraus verbreitete sich das Virus damals in zahlreiche Länder Europas. Frühe Warnungen, dass Ischgl-Touristen bei ihrer Rückkehr zum Beispiel nach Island dort mit Krankheitssymptomen aufgeschlagen seien, schlug man in Österreich in den Wind. Haben doch eh alle so gemacht, so die Begründung in den Skigebieten. Das sollte sich spätestens rächen, als Ischgl unter Quarantäne gestellt wurde und zahlreiche Touristen dort unfreiwillig feststeckten. Geschenkt.

Geschenkt hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft den beteiligten Politikern, Skiliftbetreibern und Gastronomen inzwischen auch eine Einstellung der Ermittlungen. Fehler will die Staatsanwaltschaft keine erkannt haben. Im Gegenteil, heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch, gebe es keine Beweise dafür, »dass jemand schuldhaft etwas getan oder unterlassen hätte, das zu einer Erhöhung der Ansteckungsgefahr geführt hätte«. Das wurde schon im Mai 2021 beschlossen. Ein halbes Jahr später sagte man es nun auch den Medien. Immerhin habe man gründlich gearbeitet, es gebe 15.000 Seiten mit Protokollen, heißt es von der Behörde.

Die österreichische Skiindustrie freut es. Dort hat es die ganze Pandemie hindurch niemals den Hauch eines Schuldgefühls gegeben. Im Gegenteil, man hat dort in den vergangenen zwei Jahren konsequent auf Offensive gesetzt. Der härteste institutionelle Widerstand gegen jede Form von Schutzmaßnahmen zur Pandemiebekämpfung kam regelmäßig aus den Reihen der ostösterreichischen Wirtschaft.

Daran hat sich nichts geändert. Auch wenn die Inzidenzen längst die Tausendermarke geknackt haben, sich die Toten in den Krankenhäusern stapeln und das Land nur wenige Monate nach offizieller Verkündung des Pandemieendes durch Exmessias Sebastian Kurz wieder einen Lockdown erlebt – die Parole heißt: »Piste frei!«

Noch während des derzeitigen Lockdowns wollen Tiroler Skigebiete öffnen. Weihnachtsmärkte schließen, aber die Seilbahnen laufen auf Hochtouren. Das ist unter den derzeit geltenden Lockdown-Bedingungen legal. Wirtschaftsverbände in Tirol und Vorarlberg machen Druck, dass zusätzlich auch die Skihütten in Betrieb gehen dürfen. Ihnen ist egal, dass überall im restlichen Land die Gastronomie coronabedingt zusperrt. Überhaupt soll der Lockdown vor Weihnachten beendet werden, forderte am Mittwoch der Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Hans Peter Metzler, im ORF. Schließlich geht es hier um die Rettung einer österreichischen Schlüsselbranche. Das heißt auch: Touristen und Beschäftigte müssen sterben, damit der Kapitalistenadler fliegen kann.

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