05.08.2022 / Feuilleton / Seite 11

Was lange währt

Der Coronaherbst kann kommen

Dusan Deak

Endlich, könnte mancher genervte Zeitgenosse erleichtert aufatmen, beschäftigt sich die Regierung wieder mit den wirklich wichtigen Problemen der Bürger – und nicht mit der »Energiekrise«, »Ringtausch mit Ringelpiez« oder sonstigem medial aufgebauschten Gedöns. Die Ampelkoalition in Gestalt der Bundesminister Lauterbach und Buschmann hat ihren Dreistufenplan für den Coronaherbst präsentiert:

Stufe eins beinhaltet zwei Unterpunkte, die Stufen zwei und drei jeweils weitere vier. So will das Ampelkabinett abgestuft und flexibel auf bundes- und landesspezifische Entwicklungen reagieren können. Insgesamt also ein neuer, altbewährter Zehnpunkteplan in dreistufiger Verkleidung. Man wollte offenbar sichergehen und den Bürger nicht mit zweistelliger Mathematik unnötig strapazieren.

Wichtigste Bestimmung des neuen Plans: Bei Überfällen auf Berliner Geldtransporte, Museen und das Dresdner »Grünes Gewölbe« besteht nach wie vor uneingeschränkte Maskenpflicht. Ebenso bei eventueller Flucht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dasselbe gilt für zufällige oder gezielte Videoaufnahmen der Täter im öffentlichen Raum (auch für Fotos und öffentliche Foto-Fahndungen), die erst ein halbes Jahr nach der Tat veröffentlicht werden dürfen. Sonst könnte man die Täter versehentlich erwischen, was gegen den Datenschutz verstößt. Darüber stehen Berliner Behörden im intensiven Meinungsaustausch mit den Verantwortlichen der einschlägig bekannten Banden. Es besteht noch Klärungsbedarf.

https://www.jungewelt.de/artikel/431944.deak-was-lange-währt.html