06.07.2022 / Inland / Seite 2

Anschlag auf »Linkes Zentrum«

Explosion in Oberhausener Innenstadt zerstört Parteibüro. Linke-Fraktionschef spricht von »rechtem Terror«, Polizei ermittelt »in alle Richtungen«

Raphaël Schmeller

Bei einer Explosion in der Innenstadt von Oberhausen ist am frühen Dienstag morgen das Parteibüro der Linken erheblich beschädigt worden. Die Detonation habe sich um 3.20 Uhr am Friedensplatz ereignet, erklärte eine Polizeisprecherin aus Essen am Dienstag nachmittag gegenüber jW. Niemand sei verletzt worden. Die Ursache für die Explosion sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, teilte die Beamtin weiter mit. Es gebe auch kein Bekennerschreiben oder sonstige Hinweise auf einen Täter. »Eine politische Tat können wir im Moment weder bestätigen noch ausschließen.« Man ermittle »in alle Richtungen« und sei auf die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

Der Fraktionschef der Partei Die Linke in Oberhausen, Yusuf Karacelik, erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, er habe am Dienstag morgen gegen 3.30 Uhr einen Anruf eines Anwohners erhalten und sei um vier Uhr vor Ort gewesen. »Da waren Polizei und Staatsschutz schon da«, erzählte Karacelik, dessen Büro sich im zerstörten »Linken Zentrum« befindet. Den Schaden konnte er zum Zeitpunkt des Telefonats noch nicht beziffern, »sicher ist nur, dass dieser immens ist«.

Laut Karacelik handelt es sich um einen »Sprengstoffanschlag«, denn »dass es Sprengstoff war, sieht man nicht zuletzt daran, dass auch die gegenüberliegenden Läden etwas abbekommen haben«, so der Linke-Politiker. Er ist außerdem davon überzeugt, dass es sich um »rechten Terror« handelt. Warum? »Wir haben in den letzten Wochen und Monaten sehr viele Drohbriefe von Rechten bekommen, und es wurden wiederholt Neonaziaufkleber auf unsere Scheiben geklebt.« Das alles habe man minutiös dokumentiert und zur Anzeige gebracht, »eine Reaktion von den Behörden haben wir aber nie erhalten«.

Karacelik fühlt sich von den Behörden deshalb im Stich gelassen und spricht diesen nun eine Mitverantwortung für den Anschlag zu. »Die Polizei nimmt das Problem mit den Rechten immer noch nicht ernst und fragt uns jetzt, ob der Angriff nicht auch aus unseren Reihen kommen könnte.« Das alles erinnere ihn an den NSU oder Hanau, so Karacelik.

Nach dpa-Informationen kurz vor jW-Redaktionsschluss soll die Polizei Hinweise auf einen selbstgebastelten Sprengsatz gefunden haben. Aus Ermittlerkreisen heiße es, so die Nachrichtenagentur, dass eine sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung verantwortlich sein könnte, gebaut unter anderem mit »Blitzsprengstoff«, wie ihn Feuerwerkskörper enthalten. Ein Polizeisprecher aus Essen konnte diese Information auf jW-Nachfrage nicht bestätigen. Die Tatortarbeit sei abgeschlossen, es stehe aber noch nicht fest, was die Explosion hervorgerufen habe. Die Lage sei weiter »unübersichtlich«. Für Karacelik dagegen stand bereits fest: »Das war ganz klar ein Anschlag auf uns.«

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