24.06.2022 / Ansichten / Seite 8

Buntmetallsammler des Tages: Kupferdiebe

Oliver Rast

Buntmetalle sammeln, manche erinnern sich bestimmt. Lukrativ ist es zuweilen, sofern semiprofessionell betrieben. Vor allem extralegal – beim Kupferklau etwa. Einige Ganoven haben sich exakt darauf spezialisiert. Im Visier: Ladeparks mit diversen Ladesäulen für Elektromobile. Standorte gibt es zuhauf, rund 1.000 hierzulande. Allein bei einem Ladepark werden dem Handelsblatt vom Donnerstag zufolge mehrere Tonnen Kupfer für die Kabelwege benötigt. Überreichliche Serviceinfo: Die Kupferdrähte im Ladekabel leiten den Strom.

Gut, die gesetzlosen, nächtlichen Streifzügler haben augenfällig ihr Pensum erhöht. Das spüren Ladeparkbetreiber wie EnBW oder Rheinenergie. »Es kommt immer häufiger vor, dass Ladekabel von Schnelladern abgeschnitten und entwendet werden«, so ein Sprecher von TankE, einer Tochterfirma von Rheinenergie, im Handelsblatt. Es ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In den Niederlanden trifft es treffsicher Tesla-Ladeparks. Der Schaden für die Betreiber ist teils immens, liegt um ein Vielfaches höher als der Wert der Beute. Also: Ist das Ladekabel futsch, ist die Ladesäule platt. Null Erlöse, nur Kosten. Ein Akt (unfreiwilliger) Sabotage.

Aber vielleicht braucht es das gar nicht, Tesla den Stecker zu ziehen. Boss Elon Musk motzte dieser Tage viel rum. Seine Gigafactories in Grünheide und Texas seien »gigantische Geldverbrennungsöfen«. Vom Business versteht er wohl doch nicht soviel.

Gerissener sind da schon die Kupferklauer. Die orientieren sich nämlich an der »Marktlage«. Das wissen auch die Fahnder von Amtswegen. Simple Formel: Steigt der Weltmarktpreis für Kupfer, steigt die Klauquote. Korrelation heißt sowas. Lag der Kupferpreis je Tonne Anfang 2020 bei zirka 6.000 US-Dollar, liegt er derweil bei 8.500 plus x. Resümee der Minicrimestory: Verbrechen richtig timen.

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