22.04.2022 / Ansichten / Seite 8

Landser des Tages: Sascha Lobo

Michael Merz

Gäbe es Sakkos in Flecktarn und würde der rote Hahnenkamm unter den Stahlhelm passen, Sascha Lobo säße schon längst im »Leopard 2« und stünde vor Moskau. Doch leider, leider gibt es dieses Outfit nicht im Prenzlauer Berg zu kaufen, und das »Asow«-Bataillon muss wohl auf seinen Aufnahmeantrag warten. Und so sitzt Lobo weiter in Berlin vor seinem Macbook und klagt darüber, dass die Friedensbewegung nichts für die Ukraine tue. Was er tut? Er schraubt Rohre an seine Tastatur und feuert daraus, dass kein Auge trocken bleibt – frei nach Curtis LeMay will er die Russen zurück in die Steinzeit bomben. Das hat zwar auch mit dem Vietcong nicht funktioniert, aber was zählt heute schon noch die Tatsache, dass, wenn eine Kriegspartei mit immer mehr Waffen – größer, stärker, schwerer – bestückt wird, die Opferzahl grenzenlos steigt, das Land nur noch mehr verheert, das Leid unermesslich wird.

Lobo hat Bock auf Fresse polieren. Für den John Rambo unter den Spiegel-Kolumnisten kommt erst der Atomkrieg, und dann kann man ja mal über Friedensverhandlungen nachdenken. Wenn überhaupt. Diplomatie ist ja sowas von 80er. In seinem neuesten Beitrag schafft er sich das Feindbild des »Lumpen-Pazifisten«, und dem gehört sein ganzer Hass. Dazu zählt für ihn auch Mahatma ­Gandhi – »eine sagenhafte Knalltüte«. Und er wäre nicht Sascha Lobo, fände er nicht auch einen Dreh, den »Lumpen-Pazifisten« Antisemitismus zu unterstellen. Wenn es so richtig knallt und stinkt, ist auch der Beifall der ­üblichen Verdächtigen nicht weit: Alexander Lambsdorff (FDP) spricht von einem »großartigen Text«, Deniz Yücel zitiert selbstverständlich gleich daraus. Endlich traut sich’s einer: Immer drauf auf die verweichlichte Bagage!

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