16.04.2022 / Ausland / Seite 2

Al-Aksa-Moschee gestürmt

Mehr als 150 Verletzte nach Angriff bei Morgengebet in Jerusalem durch israelische Einsatzkräfte. Regierungskrise verschärft sich

Knut Mellenthin

Israelische Einsatzkräfte haben am Freitag schwere Zusammenstöße auf dem Gelände der Al-Aksa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem ausgelöst. Die Polizei meldete drei leicht Verletzte, während auf der Gegenseite nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds mindestens 152 Menschen verletzt wurden. Die Polizei hatte die nach Tausenden zählende Menge, die sich zum Morgengebet versammelt hatte, mit der Begründung angegriffen, dass Steine auf den tiefer liegenden Platz vor der Westmauer, im Ausland oft »Klagemauer« genannt, geworfen worden seien. Im späteren Verlauf des Tages stürmten Polizisten auch in die Moschee, um Männer festzunehmen, die sich dort verschanzt hatten. Insgesamt wurden bis zum Freitag mittag ungefähr 400 Menschen festgenommen.

Die Vorfälle könnten die Krise verschärfen, die Mitte voriger Woche mit dem Rückzug einer rechten Abgeordneten aus der bunt gemischten Regierungskoalition begonnen hatte. Seither verfügt das Bündnis von Premierminister Naftali Bennett nur noch über 60 der 120 Parlamentssitze. Als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen der Polizei am Freitag und deren Eindringen in die drittwichtigste Moschee der islamischen Glaubensgemeinschaft droht nun auch die Vereinigte Arabische Liste die Koalition zu verlassen. Die in Israel meist Ra’am genannte Partei ist in der Knesset mit vier Abgeordneten vertreten. Er habe den Partnern mitgeteilt, dass die Verletzung der Sphäre der Al-Aksa-Moschee durch die Polizei eine »rote Linie« für seine Partei sei, erklärte deren Chef Mansur Abbas am Freitag.

Israel ist gegenwärtig mit einer Eskalation der Gewalt konfrontiert. Zwischen Ende März und Anfang April wurden bei vier Überfällen insgesamt 14 Israelis getötet und eine noch größere Zahl von Menschen verletzt. Politiker und Medien sprachen von der schlimmsten Terrorwelle seit vielen Jahren. Die Hamas, die den Gazastreifen regiert und auch im Westjordanland immer stärker wird, begrüßte die Angriffe, hatte sie aber anscheinend nicht organisiert. Israelische Einsatzkräfte reagierten mit Razzien im besetzten Westjordanland, bei denen mindestens elf Palästinenser getötet und Dutzende festgenommen wurden.

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