17.09.2021 / Sport / Seite 16

Noch mehr Kohle

René Lau

Wir haben uns ja schon fast daran gewöhnt, dass aus Zürich, dem Sitz der FIFA, immer wieder Ideen kommen, über die Fußballfans nur den Kopf schütteln können. Ein besonders schönes Beispiel galoppierenden Irrsinns ist der aktuelle FIFA-Vorschlag, die Fußball-WM in Zukunft alle zwei Jahre zu veranstalten. Organisatorisch gewiss ein Kinderspiel in Anbetracht all der nationalen Meister- und Pokalspiele, der Champions-League und sonstigen Qualifikationsspiele in internationalen Wettbewerben, von der Europameisterschaft, die ja nebenbei auch noch auf die Beine gestellt sein will, nicht zu schweigen. Hinzu kommt, dass die FIFA jetzt schon kaum mehr »demokratische Länder« findet, in denen große Meisterschaften stattfinden können. Ausrichter sind bekanntlich immer öfter aus »demokratischer Sicht« »zweifelhafte Länder« oder Zusammenschlüsse mehrerer Nationen, um den organisatorischen und finanziellen Aufwand, den eine WM nun mal mit sich bringt, überhaupt stemmen zu können.

Aber klar, es geht um Geld, um sonst nix. Die Funktionäre der FIFA können den Hals nicht vollbekommen. Die Gelddruckmaschine WM in bisheriger Form reicht anscheinend nicht mehr. Und es bleibt an uns Fußballfans, die UEFA und die einzelnen Verbände aufzufordern, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen. Ohne das Einverständnis kontinentaler und nationaler Verbände hat die FIFA keine Chance. Mehr als angebracht wäre es daher, würde der DFB sich für einen Moment von seiner Präsidentensuche abwenden, um klare Kante gegen den Quatsch der FIFA zu zeigen. Eine deutliche Stellungnahme des DFB könnte ferner dazu beitragen, den breiten Graben zwischen DFB und Fans etwas zu verkleinern.

Apropos »Graben«: Das Projekt einer WM im Zweijahresturnus gehört schnellstens begraben. Sowas können sich ohnehin bloß Funktionäre ausgedacht haben, die noch nie im Leben eine Turnhose anhatten.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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