11.09.2021 / Inland / Seite 5

Greenwashing in München

In der bayerischen Landeshauptstadt protestieren Aktivisten gegen die Internationale Automobilausstellung IAA

Anselm Schindler

Direkt zu den Füßen der »Bavaria«, einer der bekanntesten Statuen Münchens, haben seit Anfang der Woche Klimaaktivisten ihre Zelte aufgeschlagen. Sie sind aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengekommen, um gegen die Internationale Automobilausstellung (IAA) zu protestieren. Diese fand in den Jahren zuvor in Frankfurt am Main statt, nun ist zum ersten Mal München die Bühne für das, was Anna Meyer als »Propagandashow der Autokonzerne« bezeichnet. Meyer ist Pressesprecherin des Aktionsbündnisses »Smash IAA«, einem von mehreren Zusammenschlüssen, die gegen die Autoshow mobil machen.

Das Bündnis kritisiert, dass München von den Autokonzernen benutzt werde, um Greenwashing zu betreiben – sich also in der Klimakrise einen grünen Anstrich geben. Und dies vor allem mit Elektromobilität. Diese wird inzwischen zunehmend skeptisch gesehen, weil auch bei der Produktion von E-Autos große Mengen Treibhausgase entstehen und der Strom, mit dem die Fahrzeuge angetrieben werden zumeist immer noch aus fossilen Energieträgern gewonnen wird. Die Klimabewegung kritisiert E-Mobilität deshalb schon lange als Scheinlösung und fordert einen umfassenden Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs als Alternative zum Individualverkehr.

Bereits im Vorfeld hat die Stadt München versucht, den Protesten gegen das Event der Autokonzerne Steine in den Weg zu legen. Während die IAA mit Infozelten, Ständen und Ausstellungen nahezu alle größeren Plätze der Innenstadt in Beschlag nimmt, wurden ihre Kritiker zur Theresienwiese abgedrängt, wo üblicherweise das Oktoberfest stattfindet.

Das diesjährige Konzept der IAA ist neu und an die Coronakrise angepasst. Statt einer großen Messe gibt es zahlreiche dezentrale Orte, an denen 700 Aussteller ihre Produkte präsentieren, sogenannte Open Spaces. Für Kritik an dem Event sind die Veranstalter nicht sonderlich offen. Das zeigt auch ein Vorfall am Mittwoch abend. Als Aktivisten am Odeonsplatz in der Münchner Altstadt einen satirischen Stadtrundgang beginnen wollten, griff die Polizei ein. »Wir hatten geplant, auf die Belagerung der Stadt durch die Autokonzerne hinzuweisen, und das mit satirischen Texten«, erklärte »Smash IAA«- Sprecherin Meyer zu der Aktion. »Aber dann wurden wir von der Polizei drei Stunden lang an der Rolltreppe gekesselt.«

Die Aktion war nicht die einzige in den vergangenen Tagen. Bereits Anfang der Woche blockierten Aktivisten mehrere Autobahnen im Raum München. Sie wurden festgenommen und werden wohl frühestens am Sonntag freigelassen – wenn die IAA vorbei ist. Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann kritisierte die Aktionen auf der Autobahn. Die »akzeptable Grenze« sei dabei überschritten worden. Die Aktivisten sehen eine ganz andere Grenze überschritten: Die der Belastbarkeit des globalen Klimas und die des Zeitpunkts, an dem man tatenlos dabei zusehen kann, wie das politische Personal die Menschheit immer tiefer in die Klimakrise führt.

Im Kampf gegen die Klimapolitik der Regierung wollen sich die Beteiligten von »Smash IAA« auch mit den Beschäftigten in der Industrie zusammenschließen. »Die Kapitalisten nutzen Klimaschutzmaßnahmen schon jetzt für Entlassungen und Einsparungen«, erklärte Sprecherin Meyer. »Sie werden versuchen, die Klimabewegung und die Belegschaften gegeneinander aufzubringen, das müssen wir verhindern«, ergänzte Max Schneider, ein weiterer Sprecher von »Smash IAA«. Er betonte, dass es wichtig sei, dass Arbeiter und Klimabewegung gemeinsam für einen sozialen und nachhaltigen Umbau der Wirtschaft kämpfen.

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