02.08.2021 / Leserbriefe / Seite 14

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Klare Worte

Zu jW vom 30.7.: »Beijing gibt Nachhilfe«

(…) Klare Worte aus Beijing und Moskau helfen den USA begreifen, dass ihre Dominanz im Schwinden ist. Sie sollten sich von den Träumen der Vergangenheit ab- und einer Zukunft auf Augenhöhe zuwenden. Die Leute um US-Präsident Joseph Biden (…) fordern teils Kooperation, teils Konkurrenz und teils Gegnerschaft im Verhältnis zu China. Aber der Zustand unserer Umwelt erfordert eine Kooperation über alle Systemgegnerschaft und Konkurrenz hinweg. Das hat man in Washington noch nicht begriffen. Und das ist das gefährlichste Moment an der US-Politik! Sie sollten sich um ihre verrotteten Infrastrukturen, ihre extrem angegriffene Umwelt und um die Menschen im eigenen Land kümmern. Mehr als 600.000 Verstorbene durch Covid-19 sprechen für ein Gesundheitswesen, das vielleicht im Einzelfall top ist, aber in der Masse nicht viel taugt!

Achim Lippmann, Shenzhen/China

Immer näher

Zu jW vom 22.7.: »Rufe nach Klimaschutz«

Wir erwärmen die Atmosphäre durch den Eintrag klimawirksamer, anthropogener Spurengase nicht mehr zusätzlich, sondern wir sind dabei, den gesamten Planeten mit Vollgas zu verbrennen. Bereits 2020 war ein Extremjahr der Brandkatastrophen (Australien, Kalifornien, Nordrussland bzw. Polarkreis, Brasilien etc.) und weiterer menschengemachter Katastrophen. Nun kommen die Einschläge deutlich näher: (…) Jetzt versuchen nicht mehr »nur« (Klima-)Flüchtlinge sich bei »uns« in Europa in Sicherheit zu bringen, sondern nun kommen auch die extremsten Katastrophen biblischen Ausmaßes direkt vor die Haustür (ich wohne im Rhein-Sieg-Kreis). (…) Der Porsche-Liebhaber Christian Lindner (FDP) sagte vor kurzem: »Man soll ja den Klimaschutz den Profis überlassen.« Stimmt, er hält sich besser raus aus dem Thema, denn er gehört der Politikerkaste an, die Teil des Problems und nicht dessen Lösung ist, was allerdings auf den allergrößten Teil des politischen Personals zutrifft. Ich fürchte, dass wir schon heute entscheidende Kippunkte im globalen Klimasystem überschritten haben oder kurz davorstehen. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel nicht mehr erreichen sollten, dann »ist die Hölle los« (Hans Joachim Schellnhuber, 2005!). Die Aussage bezog sich im übrigen auf das Überschreiten von 400 ppm (Parts per million) CO2, bekanntlich sind wir hier mit circa 412 ppm (2019) schon deutlich darüber … Für »Fridays for Future«, »Scientists for Future« etc. bedeutet das: Rufen und mahnen reicht nicht mehr. Was wir brauchen, ist eine ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Revolution, und dies mit Lichtgeschwindigkeit.

Dipl.-Ing. Ulrich Becker, Alfter

Ursachen benennen

Zu jW vom 29.7.: »Aufarbeitung läuft an«

In den Untersuchungsausschüssen und Medienberichten wird die Erderwärmung für die Flutschäden verantwortlich gemacht. Nicht erwähnt wird die Versiegelung von naturnahen Flächen. Dabei haben in den letzten 50 Jahren in der Bundesrepublik die Siedlungs- und Verkehrsflächen um mehr als 50 Prozent zugenommen. In diesem Umfang ohne Notwendigkeit. Denn seit Jahrzehnten ist die Bevölkerungszahl nahezu gleich geblieben. Aber noch immer werden täglich 52 Hektar Landwirtschaftsflächen und Wald bebaut. Obwohl die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung fordert, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu beschränken. Ungeachtet solcher Vorgaben und des weltweit voranschreitenden Klimawandels wird in der Bundesrepublik die Natur weiterhin hemmungslos »verwertet«. Ganz abgesehen von dem damit verbundenen Ressourcenverbrauch und den dabei freigesetzten CO2-Emissionen. Doch Ursachen, die das allein auf Wachstum und Konsum fixierte politische und wirtschaftliche System in Frage stellen, werden nicht benannt. Weder von den Untersuchungsausschüssen noch von den Leitmedien.

Christian Helms, Dresden

Gegen Mainstream

Zu jW vom 14.7.: »Sag mir, wo du stehst«

Jane McAlevey beschreibt Ursachen und Historie des Niedergangs der Gewerkschaften nicht nur in den USA. Sie tut das ohne Häme und ohne vereinfachende Schuldzuweisungen. Als eine der Ursachen des Niedergangs führt sie an, dass die »Gewerkschaften viel zu oft dem Versprechen der Demokraten vertraut« und »nichts gegen die … Resignation vieler Beschäftigter unternommen« haben. Das erinnert doch stark an deutsche Erfahrungen des Umgangs vieler Gewerkschafter mit der Sozialdemokratie. Aber sie bleibt nicht bei der Feststellung stehen. Sie beschreibt anschaulich, wie es gelingen kann, von fast nicht mehr vorhandener gewerkschaftlicher Organisation zu streikfähigen Gliederungen zu kommen. Als Schlüssel für erfolgreiches Organizing benennt sie »den Aufbau betrieblicher Mehrheiten durch eine Stärkung der Beteiligung«. Ihre Schilderungen bestärken alle, die mit gut geplanten Aktivitäten und in wohldurchdachten Schritten zu erfolgreichen Aktionen kommen wollen. Ihre Beispiele zeigen, dass es möglich ist, sich erfolgreich dem neoliberalen Mainstream zu widersetzen, in diesen Kämpfen das Bewusstsein der eigenen Stärke und der Kraft der Klasse zu erfahren und zu entwickeln, unter den aktuellen Bedingungen durchaus ein wichtiges Element revolutionären Handelns. Ihre Schilderungen können Vorbild für Klassenkämpfer von heute sein. Danke!

Gebhard Hofner, Münster

Kultur verbannt

Zu jW vom 23.7.: »Kulturkampf an der Ostsee«

Nachdem ich eine Kindheit und Jugend mit FKK in der DDR verbracht habe, hat es mich 2014 auf Usedom schon sehr irritiert, dass sich das »Textilstrandareal« sehr ausgeweitet hatte und die FKK-Freunde mit den Hunden gemeinsam an den Rand verbannt worden waren … Wobei die Hundehalter keineswegs alle auch FKK-Bader waren. An den im Artikel genannten »FKK-Wächter« kann ich mich aus meiner Kindheit aber durchaus erinnern. Aber im Gegensatz zu seinem »Nachfolger«, um den es im Artikel geht, wies er Textilbader gern darauf hin, dass Angezogene am FKK-Strand nicht so gern gesehen waren.

C. Hoffmann, per E-Mail

Rufen und mahnen reicht nicht mehr. Was wir brauchen, ist eine ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Revolution, und dies mit Lichtgeschwindigkeit.

https://www.jungewelt.de/artikel/407521.aus-leserbriefen-an-die-redaktion.html