02.08.2021 / Schwerpunkt / Seite 3

Beijing herausfordern: Britische Marine unterwegs in fremden Hoheitsgewässern

Jörg Kronauer

Zeichnet sich da Londons nächste Provokation in umstrittenen Gewässern ab? Der neue britische Flugzeugträger »HMS Queen Elizabeth« ist auf seiner ersten großen Fahrt in der vergangenen Woche ins Südchinesische Meer eingefahren. Zuvor hatten er und die ihn begleitenden Kriegsschiffe – eines davon aus den Niederlanden, eines aus den USA – gemeinsame Übungen mit Schiffen etwa aus Indien, Thailand und Malaysia durchgeführt und die Fahrt durch die Straße von Malakka genutzt, um auch gemeinsam mit der Marine Singapurs ein wenig zu trainieren. Nun geht es weiter durchs Südchinesische Meer in den Pazifik östlich der Philippinen, wo weitere Manöver geplant sind, unter anderem mit den Streitkräften Japans. Insgesamt sind auf der über 26.000 Seemeilen langen Reise gemeinsame Übungen mit Truppen aus rund 40 Staaten geplant, darunter eine ganze Reihe asiatisch-pazifischer Staaten.

Fragt sich nur, ob die Fahrt durch das Südchinesische Meer ohne Komplikationen vonstatten geht. Die britische Regierung hat einer provozierenden Fahrt durch die Taiwanstraße, wie sie antichinesische Hardliner gefordert hatten, nicht zugestimmt. Allerdings hat Verteidigungsminister Ben Wallace erkennen lassen, er befürworte die Durchquerung der Zwölfmeilenzone um eine von Beijing beanspruchte Insel; derlei »Freedom of Navigation«-Operationen führen die USA regelmäßig durch, und auch Großbritannien hat das schon getan. Mitte vergangener Woche hat Beijing nun allerdings London vor »unangemessenen Handlungen« gewarnt. Das hatte es auch im September 2018 getan, als die »HMS Albion«, ein anderes Kriegsschiff der Royal Navy, im Südchinesischen Meer kreuzte; als sie in die Hoheitsgewässer um eine der Paracelinseln eindrang, beschattete ein chinesisches Schiff sie prompt in einem Abstand von nur wenigen hundert Metern, während chinesische Kampfjets sie in geringer Höhe drohend überflogen.

Ziemlich genau dasselbe hat sich Ende Juni im Schwarzen Meer abgespielt. Damals drang der britische Zerstörer »HMS Defender« in die Hoheitsgewässer vor der Krim ein – und wurde unsanft durch Warnschüsse eines russischen Kriegsschiffs sowie von tieffliegenden russischen Kampfjets vertrieben. Die »Defender« war im Juni, um an Übungen im Schwarzen Meer teilzunehmen, für kurze Zeit aus der Flugzeugträgerkampfgruppe um die »HMS Elizabeth« ausgeschert, mit der sie unterwegs war; anschließend ist sie wieder in sie zurückgekehrt. Am vorigen Wochenende dockte sie kurzzeitig in Brunei. Wird London nun die Provokationen vom September 2018 oder von Ende Juni 2021 wiederholen? Beijing werde gewiss keine unkontrollierte Eskalation wagen, zitierte die BBC eine Expertin vom Royal United Services Institute (RUSI); es werde aber sicher »seine Absichten deutlich machen« – ungeachtet der Tatsache, dass auf der »HMS Elizabeth« eine erkleckliche Zahl F-35-Jets der US Air Force stationiert ist.

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