23.07.2021 / Inland / Seite 1

Warnstreiks bei Pharmahändlern

Tarifkonflikt: Verdi mobilisiert Beschäftigte im Groß- und Außenhandel in Berlin-Brandenburg

Oliver Rast

Die Gespräche stocken, eine Einigung ist nicht in Sicht. Der Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg rief im Tarifkonflikt des Groß- und Außenhandels Beschäftigte am Donnerstag zum Warnstreik auf. Es war bereits der dritte, diesmal ganztägig, speziell bei Pharmahändlern.

Offenbar mit Wirkung. »Die Streikbereitschaft ist hoch, knapp die Hälfte der Beschäftigten der fünf bestreikten Unternehmen nahm am Ausstand teil«, sagte Franziska Foullong, Verdi-Verhandlungsführerin, gleichentags im jW-Gespräch. Und auch sonst gebe es positive Trends: mehr Mitglieder, mehr Streikende. Ihre Verdi-Kollegin Conny Weißbach, Fachbereichsleiterin Handel, ergänzte gegenüber jW: »Die Stimmung ist so kämpferisch wie seit Jahren nicht mehr.«

Die Motivation kommt nicht von ungefähr. Die Gegenseite bietet bislang minimale Entgeltzuwächse zwischen einem und 1,5 Prozent. Nicht für alle Beschäftigten, sondern zeitlich gestaffelt nach einer Art Rangliste. Belegschaften von Firmen, die gut durch die Coronakrise gekommen sind, würden im September eine Lohnerhöhung erhalten, und jene in kriselnden Unternehmen erst im Herbst kommenden Jahres. Mit einer solchen »Differenzierung« würde ein künftiger Flächentarifvertrag ausgehöhlt, wissen Gewerkschafter. So oder so: »Dieses Angebot ist völlig inakzeptabel, bedeutet nichts weiter als einen Reallohnverlust für unsere Kolleginnen und Kollegen«, betonte Weißbach.

Verdi hingegen fordert für die Branche eine tabellenwirksame Erhöhung von Löhnen, Gehältern und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent, mindestens aber um 150 bzw. 70 Euro. Und nicht zuletzt ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Arbeitsstunde. Wichtig ist das: Um Lohn- und Sozialdumping künftig zu unterbinden, sollen die Tarifverträge seitens des Bundesarbeitsministeriums für allgemeinverbindlich erklärt werden.

Die nächste, dann dritte Tarifrunde der Kontrahenten ist für den 29. ­Juli angesetzt. Reicht die Kondition für einen längeren Arbeitskampf? »Unser Organisationsgrad ist hoch, wir sind absolut in der Lage, Streiks auch im Hochsommer fortzusetzen«, betonte Verhandlungsführerin Foullong.

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