07.07.2021 / Ausland / Seite 7

Später Teilerfolg

Honduras: Exchef von Energieunternehmen für Mord an Umweltschutzaktivistin Berta Cáceres verurteilt. Weitere Aufklärung gefordert

Frederic Schnatterer

Das Urteil ist vor allem eins: Resultat des unermüdlichen Einsatzes Hunderter für Gerechtigkeit. Fünf Jahre nach dem Mord an der honduranischen Umweltschutzaktivistin Berta Cáceres ist Roberto David Castillo Mejía als einer der Hintermänner verurteilt worden. Am Montag (Ortszeit) erklärte das Oberste Gericht in der Hauptstadt Tegucigalpa, es sei erwiesen, dass der ehemalige Chef des Energiekonzerns ­Desarrollos Energéticos (DESA) ein »Mittäter in dem Mordfall« war. Das Strafmaß soll Anfang August bekanntgegeben werden, berichtete der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur.

Die Umweltschutzaktivistin vom indigenen Volk der Lenca war am 2. März 2016 in ihrem Haus in der Ortschaft La Esperanza im Westen von Honduras von Auftragskillern erschossen worden. Cáceres hatte sich als Koordinatorin des Rats der indigenen Völker Honduras (Copinh) gegen das Staudammprojekt »Agua Zarca« des Unternehmens DESA engagiert. Die größtenteils indigenen Bewohner der Region fürchteten, durch das Bauvorhaben vom Zugang zum Fluss Gualcarque abgeschnitten zu werden. Bereits Monate vor dem Mord hatte Cáceres Todesdrohungen erhalten, auch andere Copinh-Mitglieder wurden im Zusammenhang mit den Protesten ermordet. An dem Staudammprojekt waren auch internationale Unternehmen, so beispielsweise Siemens, beteiligt.

Wie Lucía Villars, Sprecherin des Gerichts, gegenüber der Presse erklärte, muss Castillo Mejía mit einer Haftstrafe von 20 bis 25 Jahren rechnen. Bevor der nun Verurteilte Chef des Energiekonzerns DESA wurde, war er Offizier des militärischen Geheimdienstes der honduranischen Armee – wobei er auch von der US-Armee ausgebildet wurde. Unter anderem diese Kontakte zur Armee habe er dazu genutzt, Cáceres über Jahre hinweg zu überwachen. Dabei unterhielt er auch regelmäßigen Telefonkontakt mit seinem späteren Opfer, um so an Informationen über Cáceres’ Aufenthaltsorte und Pläne zu gelangen.

Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte nach der Urteilsverkündung, diese schließe den Fall Cáceres nicht ab. In einer entsprechenden Mitteilung wurde bekräftigt, dass »daran gearbeitet wird, weitere Drahtzieher zu identifizieren, die an der Ermordung der Menschenrechtsaktivistin beteiligt waren«. Trotzdem ist die Bedeutung des Urteils nicht zu unterschätzen, in dessen Begründung es heißt, der Mord an der Umweltschutzaktivistin sei »Teil eines Plans« gewesen, »jedes Hindernis zu beseitigen, das die Geschäfte der DESA am Gualcarque-Fluss, dem angestammten Territorium des indigenen Volkes der Lenca, behindern würde«.

Bereits Ende 2019, fast vier Jahre nach dem Verbrechen, waren mehrere in die Tat verwickelte Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Unter ihnen befanden sich der Umweltmanager von DESA, Sergio Rodríguez, sowie der ehemalige Sicherheitschef des Unternehmens, Douglas Bustillo, die zu je 30 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurden. Gemeinsam mit Castillo Mejía hatten die beiden Männer die vier Auftragskiller angeheuert, die zu je 34 Jahren Gefängnis verurteilt wurden.

Vor dem Gebäude des Obersten Gerichts in Tegucigalpa versammelten sich zum Urteilsspruch Dutzende Menschen, die unter anderem Bildnisse von Cáceres mit sich führten. Deren Tochter, Laura Zuniga, die seit der Tötung ihrer Mutter für Gerechtigkeit kämpft, erklärte am Montag: »Wir sind glücklich. Die honduranische Bevölkerung hat die Nase voll von soviel Straflosigkeit und Tod.« Der Rat der indigenen Völker Honduras sprach über den Kurznachrichtendienst Twitter von einem »Sieg des honduranischen Volkes«.

Gleichzeitig betonte der Copinh, es seien noch immer nicht alle Hintermänner der Tat dingfest gemacht, etwa »die Familie Atala Zablah«. Bei dieser handelt es sich um eine der wirtschaftlich und politisch einflussreichsten Familien von Honduras und die Haupteigentümerin von DESA. Auch den Putsch gegen den linken Präsidenten Manuel Zelaya im Jahr 2009 unterstützten die Oligarchen. Während DESA-Finanzvorstand Daniel Atala Midence vergangene Woche vor Gericht seine Aussage verweigerte, bestätigte die Staatsanwaltschaft erstmals, dass auch gegen ihn ermittelt werde.

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