08.07.2021 / Ausland / Seite 1

Haitis Präsident Moïse ermordet

Staatschef bei Überfall tödlich verletzt. Polizei und Armee sollen für »Ordnung« sorgen

Der haitianische Präsident Jovenel Moïse ist in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in seiner Residenz überfallen und getötet worden. Seine Ehefrau Martine Moïse sei bei dem Angriff verletzt worden, teilte die Regierung des Karibikstaats mit. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Ein Teil der Angreifer habe Spanisch gesprochen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Expremierminister Claude Joseph verurteilte den Angriff als »hasserfüllt, unmenschlich und barbarisch« und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Polizei und Armee würden für die Einhaltung der öffentlichen Ordnung sorgen. »Es werden alle Maßnahmen ergriffen, um den Fortbestand des Staates zu gewährleisten und die Nation zu schützen«, hieß es in der Regierungsmitteilung weiter. »Die Demokratie und die Republik werden obsiegen.« Joseph war bis Dienstag Regierungschef, bevor er von Ariel Henry abgelöst wurde.

Der 53jährige frühere Geschäftsmann Moïse war 2016 zum Präsidenten gewählt worden, Proteste gegen Wahlbetrug erzwangen jedoch eine Wiederholung der Abstimmung, so dass seine Amtseinführung auf Februar 2017 verschoben wurde. Bei der zweiten Wahl erlangte Moïse nach offiziellen Angaben zwar erneut mit 55,6 Prozent die Mehrheit. Allerdings gaben nur 21 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die Opposition war daher der Überzeugung, dass die Amtszeit des Präsidenten Anfang dieses Jahres endete.

Der unter anderem von den USA hofierte Moïse weigerte sich jedoch abzutreten – trotz eines gegenteiligen Beschlusses des Obersten Gerichts. Zuletzt hatte er Haiti per Dekret regiert, nachdem eine für Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen ihn verschoben worden war. Seit Beginn der neuen Legislaturperiode im Januar 2020 hat Haiti kein Parlament mehr. Moïse hatte den Regierungschef des Landes innerhalb von vier Jahren siebenmal ausgewechselt.

Neben Korruption werden Moïse Verbindungen zu gewalttätigen Banden vorgeworfen. Kämpfe solcher Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Port-au-Prince trieben nach UN-Zahlen seit Anfang Juni fast 15.000 Menschen in die Flucht. (AFP/dpa/jW)

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