25.05.2021 / Ansichten / Seite 8

Poser des Tages: Sebastian Czaja

Oliver Rast

Er traut sich was, der Vorturner der Berliner Freien Demokraten, Sebastian Czaja. Es ist Pfingstsonntag, kurz nach 13 Uhr. Mit einem gelb-rosafarbenen, hüfthohen Pappschild posiert die liberale Spitzenkraft mittenmang auf dem Potsdamer Platz – darauf steht: »Bauen statt klauen«. Ein kecker Spruch gegen den »Mietendeckel«, ein Schnappschuss als Miniprovo. Der Anlass: Ein paar Meter weiter sammeln sich bereits Tausende auf der »Mietenwahnsinn«-Demo.

Czaja wirkt wie dort hingestellt. In voller Pracht, mit tiefen Geheimratsecken und in Textilien mit abgestuft bräunlichen Farbtönen. Unbewusst unhip. Wenige Momente später erscheint die Protestpose als Tweet samt Parole: »Enteignungen sind keine Lösung, sie sind ein Problem!«

Das ist natürlich falsch. Einer wie Czaja ist das Problem. Der Jungelitäre – die Kapitalistenschmonzette Capital kürte das Enddreißiger-Karrieretalent zu den »Top 40 unter 40« – ist längst eine üble Nachzucht der Immobilienhaie. Bereits 2014 gründete Czaja mit dem Vize des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, die FDP-Tarnloge »Liberale Immobilienrunde« (LIR). Kumpane aus der Branche will die LIR »anregen, sich stärker politisch zu engagieren«. Wofür? Für Marktradikalismus, gegen »Staatsdirigismus«. Es sind Überzeugungstäter, die soft klingen wollen: »Als Gesprächskreis leisten wir einen Beitrag zum kritischen Dialog zwischen Politik und Wirtschaft und treten als liberales Korrektiv auf«, heißt es auf deren Homepage. Auch verklausulierte Klassenhetze kostet. Über dem Aufnahmeantrag prangt der Klubzweck: »Gerne nehmen wir finanzielle Zuwendungen (…) entgegen.«

Übrigens, durch ein, zwei simple Layouttricks korrigierte die Berliner Mietergewerkschaft Czajas PR-Gag. Der Musterbengel propagiert nun netzweit: »Eigentum ist Diebstahl.«

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