24.04.2021 / Feuilleton / Seite 11

Alles dicht machen

Thomas Salter

Kiffer sind meistens etwas spät dran, das sollte man den jetzt viel gescholtenen Schauspielern Ulrich Tukur, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und Hans-Jürgen »Richy« Müller und ihrer Kampagne mit dem Hashtag »Alles dicht machen« schuldvermindernd anrechnen. Klar, der 20. April – oder 420 Day, wie Marihuanaenthusiasten wie ich den inoffiziellen Weltcannabistag nennen – war schon am Dienstag. Aber probieren Sie mal das Gebot des »Wake und Bake« zu befolgen (also gleich mit dem Morgenkaffee einen quarzen), und dann Satire zu machen. Was wetten: Sie werden – unkontrollierbarer Laberflash – erst viel zu spät fertig werden; Hunger auf Süßigkeiten kriegen; vertrödeln, den Film zu schneiden; es auf Mittwoch schieben – und irgendwie sind die Gags dann doch nicht mehr so geil, wie Sie breit noch dachten. Aber das Motto lautet ja: Alles dicht machen. Also brav die nächste Tüte anzünden, weitermachen, alles für den guten Zweck.

Und alle Spießer sollen mal chillen! Wenn Tukur witzelt, die Regierung solle auch Supermärkte schließen, denn wenn alle verhungern, endet auch Corona: Wenn Sie gerade einen Topf mit einer Zweiliterbong durchgezogen hätten, würden auch Sie diesen Steinzeitsarkasmus à la »Ich mein’ das Gegenteil, hö hö, voll kritisch« zumindest kraftlos bekichern. Und der Gag von »Richy«, der von einer Plastiktüte in die andere atmet, um niemanden anzustecken, das würden Sie high mit einem breiten schläfrigen Grinsen honorieren ... Warten Sie mal, was sagst du, Peter? Oh, mein Kollege meint, die sind gar nicht Kiffer, sondern halten sich für Kritiker der neuesten Coronamaßnahmen. Aber das kann nicht sein. So doof ist man doch nicht nüchtern.

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