12.04.2021 / Ausland / Seite 2

Auf offener Straße erschossen

Griechenland: Journalist Karaïvaz Opfer eines Mordanschlags. Motiv unklar

Hansgeorg Hermann, Chania

Mit Schüssen aus einer Handfeuerwaffe wurde am Freitag nachmittag der Polizeireporter Giorgos Karaïvas vor seinem Haus im Athener Stadtteil Alimos getötet. Wie die Mordkommission der griechischen Hauptstadt am Sonnabend erklärte, haben Augenzeugen von zwei vermummten Männern berichtet, die den in Griechenland weithin bekannten, 53jährigen Journalisten in Sekundenschnelle niedergestreckt hätten. Nachdem sie dem bereits auf dem Gehweg liegenden Opfer offenbar noch einmal in den Kopf geschossen hätten, seien sie auf einem Motorroller geflohen. Über das Motiv für die Tat herrschte auch am Sonntag noch Unklarheit.

Nach Angaben der Polizei wurden am Tatort dreizehn Patronenhülsen gefunden. Die Gerichtsärztin, die den Toten noch am Freitag untersucht hatte, habe in ihrem Bericht sieben Treffer in Hände, Brustkorb und Kopf festgehalten. Der Journalist habe offenbar versucht, sich mit ausgestreckten Händen vor seinen Mördern zu schützen. Karaïvas, der für den Fernsehkanal Star und den griechischen Rundfunk arbeitete, unterhielt auch einen eigenen Blog im Internet. Auf seinem beschlagnahmten Computer, seinem Mobiltelefon und in seinen Bürounterlagen hofft die Polizei Hinweise auf die Täter und den Hintergrund des Verbrechens zu finden.

Experten gingen in verschiedenen TV-Sendungen davon aus, dass es sich um einen »sorgfältig geplanten, professionell ausgeführten, bezahlten Mord« handelt. Politische Motive mit Vollstreckern aus dem rechten, faschistischen Lager seien bisher nicht in Erwägung gezogen worden. In der Hauptstadt hielt sich am Sonntag dennoch das Gerücht, die rechtskonservative Regierung des Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis selbst habe den als akribischen Ermittler bekannten Karaïvas mit verdeckten Informationen auf »einen Fall« hingewiesen. Der Journalist sei womöglich Parlamentsabgeordneten und Partnern aus der Wirtschaft auf die Schliche gekommen, die sich – wie aus Deutschland inzwischen hinlänglich bekannt – als »Vermittler« an der Beschaffung von Schutzmasken gegen das Coronavirus und von Impfstoff bereichert hätten.

Von den Tätern liegt bisher keine nähere Beschreibung vor. Der Ermordete hinterlässt seine Ehefrau und einen Sohn.

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