27.03.2021 / Ausland / Seite 6

NATO umkreist Serbien

Westliche Kriegsallianz hält großen Teil ihres Manövers »Defender Europe 2021« auf Balkan ab

Roland Zschächner

Explosionen, Raketen und Fallschirme. Eine vom US-Militär verbreitete Karte zum Mitte März begonnenen und unter Führung der USA stehenden Großmanöver »Defender Europe 2021« zeigt die Balkanhalbinsel als Haupteinsatzgebiet. Deutlich treten dabei die Konturen des Landes hervor, das sich nicht an der Übung beteiligt: Serbien. Eine weitere Provokation der westlichen Kriegsallianz ist das Mitwirken kosovarischer Einsatzkräfte sowie die Nutzung des US-Stützpunktes Bondsteel im Kosovo, das von Belgrad als Teil des eigenen Staatsgebietes gesehen wird. Außerdem werden auch Soldaten der Nicht-NATO-Mitglieder Bosnien-Herzegovina, Ukraine, Moldau und Georgien an der Großübung teilnehmen.

Neben dem Balkan sind die Bundesrepublik und das Baltikum die anderen Einsatzregionen von »Defender 2021«. Damit setzt die NATO ihren aggressiven Konfrontationskurs gegenüber Russland und mit diesem verbündete Staaten fort. Serbien, das vor 21 Jahren völkerrechtswidrig von der NATO angegriffen wurde, unterhält traditionell enge Beziehungen zu Moskau. Daher wurden auch in der Coronapandemie große Mengen des russischen Impfstoffs »Sputnik V« in die ehemalige jugoslawische Republik geliefert. Zwar hat sich Belgrad der militärischen Neutralität verschrieben, doch trainieren die serbischen Soldaten immer wieder sowohl mit den russischen Streitkräften als auch mit westlichen, beispielsweise im Rahmen von NATO-Übungen.

Während im März und April vor allem die Verlegung von Truppen und Kriegsgerät geprobt wird, folgen im Mai und Juni verschiedene Manöver. Insgesamt rund 28.000 Soldaten aus 26 Ländern sollen »nahezu zeitgleiche Operationen in mehr als 30 Übungsgebieten in zwölf Ländern durchführen«, heißt es in einer Übersicht des US-Militärs, das sich mit Boden-, Luft- und Seestreitkräften beteiligt. Den Abschluss findet »Defender 2021« bei einer »Gefechtstandübung mit circa 2.000 Beteiligten, um die Fähigkeit des Hauptquartiers zu demonstrieren, multinationale Landstreitkräfte in einer gemeinsamen und kombinierten Trainingsumgebung zu befehligen und gleichzeitig reale Operationen in 104 Ländern auf zwei Kontinenten aufrechtzuerhalten«.

Um was es den Vereinigten Staaten dabei geht, ließ Christopher Cavoli, kommandierender General der US-Armee in Europa und Afrika, in einer Pressemitteilung wissen: »Defender Europe 21 bietet uns die beste Gelegenheit, unsere Fähigkeiten an der Seite unserer Verbündeten und Partner in der strategisch wichtigen Balkan- und Schwarzmeerregion zu verbessern, damit wir gemeinsam bereit sind, auf jede Krise zu reagieren, die entstehen könnte.« Die NATO versucht mit allen Mitteln, ihr »360 Grad«-Konzept durchzusetzen – die alleinige globale Vorherrschaft in strategisch wichtigen Gebieten wie etwa der Mittelmeerregion. Dabei werden Kooperationen der dortigen Staaten mit Russland oder China als Bedrohung des westlichen Herrschaftsanspruchs interpretiert.

Andrej Hunko, stellvertretender Vorsitzender und europapolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, verweist gegenüber junge Welt ebenfalls auf die geopolitische Bedeutung: »Während die EU-Perspektive für die Länder des Westbalkans zunehmend in Frage steht, sind Einflüsse Russlands, Chinas, Saudi-Arabiens und der Türkei deutlich.« Die USA würden offenbar versuchen, »diesen Entwicklungen auch durch militärische Einbindung zu begegnen«, so Hunko. Er warnt, dass »die Region erneut zu einem Pulverfass in Europa« werden könnte. »Dies muss durch realistische Entwicklungsperspektiven und Konfliktlösungen über multilaterale Verhandlungsformate dringend verhindert werden.«

https://www.jungewelt.de/artikel/399454.konfrontationskurs-nato-umkreist-serbien.html