27.03.2021 / Ausland / Seite 2

Kein Ende der Gewalt

Myanmar: Erneut Tote nach Protesten gegen Militärjunta. 322 Gefangene freigelassen

Die Zahl der Toten durch Militärgewalt in Myanmar steigt weiter. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind in den knapp acht Wochen seit dem Putsch vom 1. Februar mindestens 320 Menschen gestorben. Auch am Freitag hielten die landesweiten Proteste gegen die Junta an. Dabei wurden vier Tote aus der Stadt Myeik im Süden des Landes gemeldet.

Allein am Donnerstag waren elf Menschen getötet worden. In Taunggyi im zentralen Shan-Staat seien vier Zivilisten erschossen und viele weitere verletzt worden, als Einsatzkräfte »Wohngebiete in eine Kampfzone« verwandelten, hieß es in einer Mitteilung. Soldaten seien auch in Häuser eingedrungen und hätten viele überwiegend junge Leute festgenommen, so AAPP. Die Zahl der Inhaftierten seit dem Umsturz stieg auf insgesamt knapp 3.000. Weitere Tote gab es am Donnerstag in der nördlichen Region Mandalay, im zentralen Sagaing und im südlichen Bago.

Am frühen Freitag morgen verübten Unbekannte in Yangon einen Brandanschlag auf die Zentrale der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), der Partei der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Anwohnern sei es etwa 30 Minuten später gelungen, das Feuer zu löschen, berichtete das Portal Myanmar Now. Jedoch seien die Türen und Möbel der Büros zerstört worden.

Derweil wurden am Freitag mehrere hundert Menschen freigelassen, die bei Protesten gegen den Militärputsch festgenommen worden waren. Insgesamt seien 322 Inhaftierte aus dem Insein-Gefängnis entlassen worden, sagte ein hoher Beamter des Gefängnisses der Nachrichtenagentur AFP. Bereits am Mittwoch hatte die Haftanstalt die Freilassung von mehr als 600 Demonstranten gemeldet.

In Myanmar geht die Militärführung seit Wochen mit zunehmender Härte gegen Demonstrierende vor, die die Freilassung und Wiedereinsetzung der faktischen Regierungschefin Suu Kyi fordern, die seit dem Putsch im Hausarrest sitzt. Für dieses Wochenende wird zu weiteren Protesten aufgerufen. Am Sonnabend begeht Myanmar den Tag der Armee in Erinnerung an das Zurückschlagen der japanischen Streitkräfte 1945. Im vergangenen Jahr war die Militärparade wegen der Pandemie abgesagt worden. Dieses Jahr soll sie in der Hauptstadt Naypyidaw durchgeführt werden. (AFP/dpa/jW)

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