27.03.2021 / Ausland / Seite 1

NATO-Kriegstreiber zuerst

Brüssel: Vorzeitige Impfung von Beschäftigten im Hauptquartier wegen Gipfels im Juni

Derzeit werden rund 3.500 Beschäftigte in der Brüsseler Zentrale der NATO vorzeitig gegen das Coronavirus geimpft. Nach Informationen der dpa vom Freitag wurde mit dem Spritzen der Vakzine durch medizinisches Personal am Donnerstag begonnen, an diesem Sonnabend soll die erste Impfrunde abgeschlossen sein. Hintergrund sei der anstehende Termin für den ersten Gipfel der Kriegsallianz mit dem neuen US-Präsidenten Joseph Biden. Demnach ist dafür der 14. Juni im Gespräch.

Die Immunisierung des NATO-Personals kann erfolgen, weil sich Polen trotz Impfstoffknappheit im eigenen Land dazu bereit erklärt, die insgesamt rund 7.000 notwendigen Dosen zur Verfügung zu stellen. Das NATO-Gastland Belgien wollte nicht von der beschlossenen Impfreihenfolge abweichen. Nach der belgischen Regierung wäre in der Zentrale frühestens im kommenden Monat geimpft worden.

Die Regierung in Warschau begründete die Impfstofflieferung mit der Bedeutung des Kriegsbündnisses für das Land und mit der im Vergleich geringen Anzahl an Dosen, die für die Zentrale benötigt werden. So sollen die ersten 3.500 Vakzine des Herstellers Astra-Zeneca weniger als einem Prozent der Impfstoffmenge entsprechen, die das Land in dieser Woche geliefert bekommen hat. Von der EU veröffentlichte Zahlen zeigen, dass in Polen zuletzt vergleichsweise viele Menschen an oder mit Covid-19 starben.

Aus der polnischen Opposition kommt deswegen Kritik. Der Abgeordnete Michal Szczerba von der Bürgerkoalition KO schrieb auf Twitter, es gebe in Polen immer noch Bewohner von Pflegeheimen, die nicht geimpft seien. »Die Regierung macht eine Vorzeigeaktion aus der Entsendung von Ärzten und Impfdosen ins NATO-Hauptquartier. (…) Impft doch erst mal die Betagten und Kränklichen in Polen.«

Zu der Frage, ob die Annahme des polnischen Impfangebots nicht verantwortungslos gegenüber noch ungeimpften Polen sei, wollten sich weder Diplomaten noch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußern. Der erklärte lediglich: »Ich glaube, das zeigt das Engagement Polens für die NATO.« (dpa/jW)

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