16.03.2021 / Feuilleton / Seite 14

Nachschlag: Sein und Bewusstsein

Der eiserne Schatz | So., 20.20, SR

Sie ist ein eindrucksvolles Stück deutscher Industriegeschichte und seit 1994 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Vom Anfang und vom Ende der Völklinger Eisenhütte erzählt die am Sonntag abend im Saarländischen Rundfunk gezeigte Dokumentation. Darin werden zwar, wie so oft, die Eigentümer – zuerst der Industrielle Carl Röchling, später sein Sohn Hermann – als alleinige Akteure dargestellt, denen diverse geniale Einfälle zugesprochen werden. Allerdings kommt auch eine Reihe von Arbeitern zu Wort, die von den buchstäblich brandgefährlichen und auch tödlichen Arbeitsbedingungen am Hochofen oder in der Kokerei erzählen.

Im Film wird nicht nur deutlich, wie Röchling Senior von der Annektierung Lothringens 1871 und später sein Sohn von der Naziherrschaft profitierten. Die Interviews mit Arbeitern zeigen auch, wie das Sein das Bewusstsein prägt. Sie sind nach Jahrzehnten in der Hütte mit Stolz erfüllt und betrachten sie als die ihrige – ungeachtet der tatsächlichen Eigentumsverhältnisse. (mb)

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