15.03.2021 / Ansichten / Seite 8

Wohltäter des Tages: Christoph Gröner

Oliver Rast

Er hatte mit der Gründung einer Miniaturpartei geliebäugelt: Immobilienhai Christoph Gröner, 52. Zum Äußersten indes kam es nicht. Längst hat er sich beim hauptstädtischen Ableger der Bundes-CDU eingekauft. Leichte Beute. Mit einer Großspende von knapp einer Million Euro, aufgeteilt in zwei Tranchen, wie die Berliner Zeitung in ihrer Wochenendausgabe berichtete.

Gröner weiß um den Einfluss seines Standes. »Wir Unternehmer sind mächtiger als die Politik.« Warum? »Weil wir unabhängig sind.« Sinnsprüche aus dem Dreiteiler »Die Reichen und die Mächtigen: Wer regiert Deutschland?« von 2018, den der WDR ausgestrahlt hatte. Gröner schätzt, stets im Hochglanzmaßanzug auftretend, die Pose, inszeniert sich beim Fotoshooting: Brust raus, Blick fies, Kinn vor.

Gröners Lieblingsrolle ist die des visionären Bauunternehmers. Der Chefdarsteller der mit seinen Initialen versehenen CG Gruppe (Unterzeile: »Immobilien neuer Dimension«) projektiert viel. Das frühere Postscheckamt in Kreuzberg oder den Steglitzer Kreisel wollte Gröner zu Luxusobjekten umfunktionieren. Klägliche Versuche; er scheiterte, hinterließ architektonisches Flickwerk.

Entmutigt wirkt Gröner nicht. Er baut mit seiner selbstlosen Überweisung an die profillose Berlin-CDU weiter vor – mutmaßlich für den nächsten genehmigungspflichtigen Bebauungsplan. Sein Mäzenatentum erklärt der Edelspender so: Er sei der »Überzeugung, dass nur bürgerliche und wirtschaftsfreundliche Politik Berlin helfen kann, die aktuelle Situation zu verbessern«. Für lokale Christdemokraten ist Gröner »ein guter Mann«; gewissermaßen ein Überzeugungs- als Wohltäter.

Dispute um Korruption und Lobbyismus in der CDU/CSU-Mikrowelt dürften Gröner kaltlassen. Das können sie auch. Schließlich ist er am Ziel, er hat seinen parlamentarischen Arm im Berliner Abgeordnetenhaus.

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