26.02.2021 / Feuilleton / Seite 10

Guckt rein wie raus

Schauspieler Jaecki Schwarz wird 75

F.-B. Habel

»Da haben Sie ja viel Schönes von mir gesehen«, begrüßte Jaecki Schwarz die Zuschauer vor einigen Jahren bei einem Filmgespräch zu Egon Günthers Defa-Film »Die Schlüssel« augenzwinkernd, und es war nicht ganz klar, ob er seine Schauspielkunst oder die Nacktszene im polnischen Badezimmer meinte. Seinerzeit war er einer der meistbeschäftigten Darsteller bei der Defa und im DDR-Fernsehen. Sein Einstieg in den Beruf war überragend, als ihm Konrad Wolf 1967 die Hauptrolle des jungen sowjetischen Leutnants Gregor Hecker in seinem autobiographisch geprägten Film »Ich war neunzehn« anvertraute.

Das war eine Chance, aber auch eine Bürde, denn war da noch eine Steigerung drin? Doch Schwarz war ein alltäglicher, aber wandlungsfähiger Typ, so dass er in Gegenwartsfilmen (»Weite Straßen – stille Liebe«, »Bürgschaft für ein Jahr«), Lustspielen (»Du und ich und Klein-Paris«), Historienschinken (»Lützower«) und Kinderserien (»Spuk von draußen«, »Mama ist unmöglich«) stets für sich einnahm. Warum er für »Ich war neunzehn« ausgewählt wurde, für den sich auch sein Freund Wolfgang Winkler beworben hatte, war ihm lange nicht klar. Wie er in seinem gemeinsam mit Winkler verfassten Buch »Herbert & Herbert« berichtete, erklärte es ihm irgendwann Kameramann Werner Bergmann. Der habe zu Wolf gesagt: »Koni, nimm doch den Schwarz, der guckt so rein wie raus. Der hat von nichts eine Ahnung und stolpert da herum, ungelenk, der ist so linkisch, der passt gut!«

Das Ungelenke verging mit dem Schauspielunterricht in Babelsberg und den Theateraufgaben, erst in Potsdam, dann in Magdeburg, wo er Shakespeares Romeo und den Puck spielte, aber auch »Quasi« Riek in Hermann Kants »Die Aula« im Mecklenburger Dialekt. Ab 1974 blieb er für mehr als zwei Jahrzehnte am Berliner Ensemble, mit dem er fast in der ganzen Welt gastierte. Darum hatte er schon eine Ahnung davon, was ab 1990 auf die DDR-Bürger zukommen würde.

Er hatte Glück, dass er »im Geschäft« blieb, spielte hauptsächlich in Serien und Reihen. Sein ehemaliger Volkspolizist Sputnik in »Ein starkes Team« begleitet ihn seit 1994 bis heute, und zur Legende wurde das Kriminalistenduo Schmücke und Schneider (»Herbert & Herbert«) in 50 Folgen von »Polizeiruf 110« zwischen 1996 und 2013. Wie sie sich angrummelten und mit trockenem Humor schlechte Laune zur Schau trugen, war herrlich! Wolfgang Winkler lebt nicht mehr, aber mit dessen Kindern, deren Patenonkel Jaecki Schwarz ist, steht er in gutem Kontakt. Ob sie ihn heute zum 75. Geburtstag überraschen?

Im MDR ist Jaecki Schwarz am heutigen Freitag um 22 Uhr in der Talkshow »Riverboot« zu Gast. Anschließend läuft sein Debütfilm »Ich war neunzehn«

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