13.01.2021 / Inland / Seite 1

Kapitalverband will weniger »Steuerlast«

Jahresauftakt: Neuer BDI-Chef mit altem Forderungskatalog. DGB drängt auf Homeoffice

Gleich zum Jahresbeginn versucht das deutsche Kapital, richtig Dampf zu machen. Der neue Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, hat in einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin die Regierung zu einer grundlegenden »Steuerreform« und mehr Investitionen aufgefordert. Die Coronapandemie verschärfe die Anforderungen an den Strukturwandel der deutschen Industrie, sagte Russwurm. Es brauche weniger Belastungen, weniger Bürokratie, weniger Steuern, mehr Anreize für Investitionen und eine bessere Infrastruktur.

Doch damit nicht genug: Die Steuerlast der deutschen Firmen sei im Vergleich zum Durchschnitt innerhalb der EU deutlich zu hoch, so der BDI-Chef. »Dieser Hemmschuh für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen muss weg.« Die Politik dürfe im beginnenden Wahlkampf den Blick auf die Herausforderungen am Standort Deutschland nicht vernachlässigen. Russwurm forderte Bund und Länder außerdem zu einem höheren Maß an Verlässlichkeit in der Coronakrise auf. Es müsse eine Strategie mit differenzierten Lösungen statt pauschaler Schließungen geben. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Pandemie sei groß, die wirtschaftliche Lage bleibe schwierig. Für das laufende Jahr erwartet der BDI einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,5 Prozent – nach einem Einbruch um rund fünf Prozent 2020. Erst im zweiten Halbjahr 2022 könne das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden.

Russwurm warnte vor einem kompletten Herunterfahren der Wirtschaft in der Pandemie. Er wagte die These, es gebe keine Evidenz dafür, dass in Industrieunternehmen Hotspots entstünden. Falls die Produktion in der Industrie etwa für vier Wochen ganz heruntergefahren würde, dauere es weitere vier Wochen, um sie wieder hochzufahren. Dies würde dann nicht ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum bleiben. Auch strengere Vorgaben der Politik für mehr Homeoffice lehnte er ab. Der DGB fordert hingegen seit Tagen ein Recht auf Heimarbeit. (dpa/AFP/jW)

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