27.07.2020 / Ansichten / Seite 8

Putschfreund des Tages: Elon Musk

Emre Sahin

»Was stimmt nicht mit Elon Musk?« fragte das US-amerikanische Magazin Input im Februar. Die Frage darf man schon mal stellen. Anlass für das Magazin war damals Musks Aussage zur »Befreiung der USA« vom Coronalockdown. Was man aber auch schon mal fragen darf, ist, warum diese Frage, was denn mit ihm nicht stimme, erst im Februar gestellt wurde. Schließlich ist Musk seit Jahren bekannt dafür, jeden vermeintlichen Geistesblitz zu twittern – erinnert sei an seine Idee, den Mars mittels Atombomben bewohnbar zu machen.

Nun hat der Gute erneut ausgepackt. Auf seinen Tweet am Freitag (Ortszeit), ein weiteres Konjunkturpaket sei nicht im Interesse der Bürger, antwortete ein User: »Weißt du, was nicht im Interesse der Bürger war? Dass die US-Regierung einen Putsch gegen Evo Morales in Bolivien organisiert, damit du Lithium erhältst«. Die Antwort? »Wir werden putschen, gegen wen immer wir wollen. Finde dich damit ab.«

»Wow«, könnte man denken. »Damit haben wir aber nicht gerechnet«, könnte man meinen. Selbstverständlich beunruhigen die Gelassenheit und Arroganz einer solchen Aussage, doch reiht sie sich nur in die Tradition US-amerikanischer Kapitalisten auf dem Kontinent ein. Die United Fruit Company, bekannt für die Chiquita-Banane, ist in diesem Fall etwas geübter. 1928 hatte sie in in der kolumbianischen Stadt Ciénaga Tausende Arbeiter umbringen lassen, und 1954 ließ sie gegen die Regierung in Guatemala putschen.

Die Monroe-Doktrin von 1823, mit der die USA Lateinamerika als ihren eigenen Hinterhof bezeichneten, hat offensichtlich auch für Musk Gültigkeit. Da überrascht es nicht, dass er, der im Apartheidstaat Südafrika geboren wurde und aufwuchs, sich »halb Demokrat, halb Republikaner« nennt. Unterschiede in der Lateinamerika-Politik gibt es zwischen beiden Parteien ohnehin nicht.

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