12.02.2020 / Sport / Seite 16

Eine schlägt keiner

André Dahlmeyer

Einen wunderschönen guten Morgen! Die U-23-Fußballnationalmannschaften Argentiniens und Brasiliens fahren zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio und vertreten dort den südamerikanischen Subkontinent. Das ist das Resultat des Torneo Preolímpico Sudamericano des Verbandes Conmebol, das vom 18. Januar an in Kolumbien ausgetragen wurde.

Nachdem sich die von Fernando »Bocha« Batista trainierten Argentinier bereits am Donnerstag mit einem 2:1 gegen die Gastgeber nicht nur frühzeitig für Olympia qualifiziert, sondern auch den Turniersieg gesichert hatten, wurden die Gaucho-Kicker am Sonntag nach drei Tagen des Feierns von den Brasilianern mit 0:3 zerlegt. Mit diesem Ergebnis wurden die Kicker aus dem schönen Uruguay düpiert, weil die zuvor klar mit 3:1 gegen Kolumbien gesiegt hatten. Die Cafeteros waren am Ende eine der Enttäuschungen des Turniers, und Brasilien kann nun in Japan doch noch sein Olympiagold von Rio 2016 (Sieg im Elfmeterballern gegen das Deutschland von Horst Hrubesch; der Wernigeroder Niels Petersen, neben Serge Gnabry Torschützenkönig, verschoss den entscheidenden Strafstoß) verteidigen.

Die »Canarinha« von André Jardine fügte den Silberländern, die dieses Turnier zum fünften Mal (seit 1960) gewinnen konnten, in Bucaramanga die einzigen Punktverluste des Wettbewerbs zu. Paulinho traf bereits nach zwölf Minuten, und der Neuherthaner (18 Mio. Euro) Matheus Cunha erhöhte mit einem Doppelpack (29., 54.) auf 3:0. Mit insgesamt fünf Treffern wurde Cunha auch Torschützenkönig des Preolímpico. Als Profikicker debütierte er 2017 bei dem Schweizer Klub FC Sion aus Sitten (Kanton Wallis). Der Verein gilt in der Szene als Geldwäscheklub für lateinamerikanische Kicker.

Die brasilianische Auswahl war die einzige, die in Kolumbien nicht geschlagen werden konnte (zweimal Remis), sie wird zum dreizehnten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen (bislang gab’s einmal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze). Argentinien, Olympiasieger von 2004 und 2008, hat sich zum neunten Mal qualifiziert. Deren Trainer »Bocha« Batista ist der Bruder von Sergio »Checho« Batista, der 2008 in Beijing mit Argentinien die Goldmedaille gewann. 1986 wurde Checho als Spieler Fußballweltmeister in Mexiko. Bester Kicker des Preolímpico war Brasiliens Kapitän Bruno Guimarães. Der 22jährige spielt im defensiven Mittelfeld und wurde gerade von Olympique Lyon für 20 Millionen Euro verpflichtet.

Neben den Gastgebern enttäuschte die Auswahl Ecuadors, 2019 immerhin Südamerikameister und Dritter bei der WM in Polen (jeweils bei den U-20-Junioren). Die besten Spieler wurden von ihren europäischen Sklavenhaltern nicht freigestellt.

Auch bei den Eliminatorias der Conmebol in Brasilien für die Hallenfußball-WM der FIFA im September dieses Jahres in Litauen waren die Argentinier (unbesiegt) das Nonplusultra. Im Finale besiegten die Gauchokicker die Gastgeber im Polideportivo Carlos Barbosa mit 3:1. Spektakulär war die Leistung des argentinischen Keepers Nicolás Sarmiento. Die Treffer notierten Cristian Borruto, Constantino Vaporaki und Pablo Taborda. Brasilien war durch Pito in Führung gegangen. Zur WM fahren neben den Finalteilnehmern außerdem Paraguay und Venezuela. Die Guaraníes gewannen das Match um Rang drei gegen die Söhne von Onkel Hugo mit 6:2 und latschten die Venezolanos so also noch vom Podium. Die »Vinotinto« Venezuelas um ihren technischen Direktor Freddy González, einen Futsal-Verrückten, konnte sich aufgrund ihres kompakten und dynamischen Spiels erstmals für eine Hallenfußball-WM qualifizieren. Venezuela startete mit einer Niederlage gegen Weltmeister Argentinien (2:3). Dem folgten Siege gegen Bolivien (3:0), Uruguay (5:1) und Chile (3:2). Das war’s. Bester Torschütze der Vinotinto war Jesús Viamonte mit sieben Einlochungen. Aktueller Weltmeister ist Argentinien, das den Titel zuletzt 2016 in Kolumbien gewinnen konnte.

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