21.10.2019 / Abgeschrieben / Seite 8

1,5 Millionen Kinder pro Jahr inhaftiert

In einer Pressemitteilung der Organisation SOS-Kinderdörfer vom Sonntag heißt es:

Jedes Jahr werden 1,5 Millionen Kinder ihrer Freiheit beraubt. Das vermelden die SOS-Kinderdörfer unter Berufung auf eine mehrjährige UN-Studie, die die Hilfsorganisation als Teil einer Expertenkommission begleitet hat. Demnach werden jährlich schätzungsweise 410.000 Jungen und Mädchen in Gefängnisse gesteckt, 330.000 aufgrund von Migration in Haft genommen und zwischen 43.000 und 68.000 Kinder unter Zwang in Heime eingewiesen. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher liegen.

»Der Schaden für die Kinder ist gewaltig. In der feindseligen Atmosphäre eines Gefängnisses schaltet ihr Gehirn auf Überleben um. Alles andere wird blockiert, sowohl die körperliche, die intellektuelle, als auch die emotionale Entwicklung«, sagt Teresa Ngigi, Psychologin bei den SOS-Kinderdörfern. Häufig würden die Jungen und Mädchen in Gefangenschaft Missbrauch und Gewalt erfahren. Die langfristigen Folgen seien fatal: Viele Kinder entwickelten posttraumatische Belastungsstörungen, litten unter Lernschwierigkeiten, seien später nicht in der Lage, stabile Beziehungen aufzubauen und kämen häufiger mit dem Gesetz in Konflikt.

Ähnliche Symptome würden auch Jungen und Mädchen entwickeln, die unter Zwang in Heimen leben müssen. »Viele dieser Heime funktionieren wie militärische Anstalten, in denen die Kinder wie Soldaten gedrillt werden. Da geht es nicht mehr um Disziplin, sondern um Bestrafung. Es gibt keine Richtlinien, keine Kontrollen, die Kinder bekommen keine Liebe, haben keinerlei Mitspracherecht«, so Ngigi. (…)

Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnte am Sonntag an, gute Internetseiten für Kinder gezielt zu fördern:

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert von der Bundesregierung zum »Tag der Kinderseiten« am Montag eine nachhaltige Förderung von guten Kinder-Internetseiten. Damit soll ein aktiver Beitrag zum Kindermedienschutz geleistet und die Existenz guter Kinder-Internetseiten dauerhaft sichergestellt werden. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ist eine vielfältige Kinderseiten-Landschaft Teil eines präventiven und ganzheitlichen, vom Kind aus gedachten Jugendmedienschutzes. Auch deshalb steht die Bundesregierung hier in der Verantwortung, durch eine projektunabhängige Förderung ein entsprechendes Angebot zu gewährleisten.

»Bei der Förderung guter Kinder-Internetseiten sehen wir Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Kulturstaatsministerin Monika Grütters in der Pflicht. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sind Kinder-Internetseiten ein unverzichtbarer erster Schritt, die Medienkompetenz von Kindern zu entwickeln und auszubauen. Diese sind, sofern sie als nichtkommerzielle Angebote den Ansprüchen von Werbefreiheit und ausreichendem Kinderschutz genügen sollen, wirtschaftlich kaum tragfähig. Gerade das Internet birgt kinder- und jugendgefährdende Inhalte, vor denen es Kinder und auch Jugendliche zu schützen gilt. Demgegenüber sollte es für Kinder und Jugendliche möglich sein, das Internet möglichst unbeschwert zu nutzen. Hier leisten viele Kinder-Internetseiten einen wertvollen Beitrag«, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. (…)

https://www.jungewelt.de/artikel/365115.1-5-millionen-kinder-pro-jahr-inhaftiert.html