30.08.2019 / Ausland / Seite 6

Separatisten kontrollieren Aden

Jemen: Kriegsallianz von Saudi-Arabien und VAE vor dem Zusammenbruch

Im Jemen haben separatistische Gruppen wieder die Kontrolle über die Hafenstadt Aden im Süden des Landes übernommen. Die gesamte Stadt befinde sich wieder in den Händen des »Südlichen Übergangsrats« (STC), teilte dessen Sprecher Nasar Haitham am Donnerstag über Twitter mit. Aus Kreisen der von Saudi-Arabien abhängigen Regierung von »Präsident« Abed Rabbo Mansur Hadi hieß es gleichzeitig, deren Truppen hätten sich zurückgezogen, um Kämpfe zu vermeiden. Anderen Informationen zufolge waren die auf Aden zumarschierenden Einheiten zuvor aus der Luft attackiert worden. Jemens Außenministerium machte dafür die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verantwortlich.

Saudi-Arabien und die VAE sind die Hauptprotagonisten des Angriffskriegs gegen den Jemen. Obwohl sie verbündet sind, stehen sich ihre Ziele unvereinbar gegenüber. Während es Riad vor allem darum geht, in Konkurrenz mit dem Iran eine regionale Vormachtstellung zu behalten, streben die VAE die Kontrolle der Häfen Jemens, insbesondere in Aden, und der zugehörigen Wasserwege an. Ein wieder unabhängiger Südjemen mit enger Anbindung an die VAE wäre da ganz im Sinne Abu Dhabis. Zusammengehalten wird die brüchige Allianz zwischen Saudi-Arabien und den VAE nur durch den gemeinsamen Feind, die Ansarollah. Die im Westen meist als »Huthis« bezeichnete Miliz hatte 2014 große Gebiete im Norden des Jemens eingenommen und die Regierung aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben. Diese erklärte daraufhin Aden zur vorübergehenden Hauptstadt. Die Metropole war bis zur Vereinigung 1990 die Hauptstadt des Südjemens.

Der STC strebt die erneute Aufteilung des Landes an. Mitte August hatten seine Kämpfer zentrale Posten in Aden besetzt und waren auch in umliegende Gebiete vorgerückt. Am Mittwoch konnten dann die Regierungstruppen vorübergehend Teile der Hafenstadt besetzen, darunter den internationalen Flughafen.

Offenbar als Reaktion auf die jüngste Zuspitzung hat China die 33. Flotte der Volksbefreiungsarmee in den Golf von Aden entsandt, um zivile Schiffe zu eskortieren. Zu dem Verband gehören nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua ein Zerstörer, eine Fregatte und ein Versorgungsschiff. Es ist nicht das erste Mal, dass China in der Region aktiv wird – schon seit 2008 ist Beijings Marine regelmäßig in den Gewässern vor dem Jemen und Somalia im Einsatz. (dpa/Xinhua/jW)

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