27.08.2019 / Schwerpunkt / Seite 3

HIV-Vorsorge wird Kassenleistung. Änderungen treten demnächst in Kraft

Markus Bernhardt

Ab dem 1. September ist die HIV-Prophylaxe »PrEP« eine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Bei der Präexpositionsprophylaxe (Pre-Exposure Prophylaxis, PrEP) wird zur Vorsorge vor einem Risikokontakt ein HIV-Medikament eingenommen, welches vor der Übertragung des Virus schützt. Bei Menschen mit »substantiellem HIV-Risiko« übernehmen die Kassen künftig die Kosten für das Medikament und die erforderlichen Begleituntersuchungen. So regelt es das im Mai dieses Jahres vom Bundestag beschlossene »Terminservice- und Versorgungsgesetz« (TSVG) aus dem Haus von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Mediziner und Fachleute begrüßen die nun in Kraft tretenden Änderungen. »Die Einführung der PrEP als Kassenleistung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention: Eine weitere Möglichkeit, sich vor HIV zu schützen, wird leichter zugänglich – unabhängig vom Geldbeutel. Jetzt geht es darum, dass auch alle von PrEP wissen«, erklärte Holger Wicht, Sprecher der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), am vergangenen Freitag in Berlin. Die DAH starte deshalb im September einen Aktionsmonat mit umfassenden Informationen zur PrEP und zur neuen Situation, kündigte er an.

Mit der Kassenzulassung werde sich die Prophylaxe außerdem weiter etablieren, prognostizierte Wicht. Sie sei damit neben Kondomen und dem »Schutz durch Therapie« – die Medikamente HIV-positiver Partner verhindern auch die Übertragung – »eine von drei heute verfügbaren Methoden, sich beim Sex vor einer HIV-Infektion zu schützen«.

Einen gravierenden Nachteil hat die PrEP gegenüber der Nutzung von Kondomen jedoch durchaus. So verhindert die Einnahme der Pille zwar die Übertragung des HI-Virus, nicht jedoch eine mögliche Infektion mit Hepatitis, Gonorrhö (Tripper) oder Syphilis. Vor allem die beiden letztgenannten Krankheiten sind in der Bundesrepublik wieder auf dem Vormarsch. Gerade in Metropolen wie Köln, Berlin, Frankfurt am Main und Düsseldorf steigen die Zahlen seit Jahren rasant an. Hinzu kommt, dass immer mehr Stämme des Gonorrhö-Bakteriums resistent gegen Antibiotika sind. Auch ist die PrEP keineswegs als Schutz vor HIV für die breite Bevölkerung gedacht. Sie gilt vielmehr als geeignetste Schutzmaßnahme für Menschen mit einem höheren Risikoverhalten bzw. häufig wechselnden Sexpartnern. Begrüßenswert ist jedoch, dass Patienten, die auf die Einnahme von PrEP setzen, regelmäßig vom Arzt auf andere Geschlechtskrankheiten untersucht werden. Die DAH empfiehlt allen Menschen mit wechselnden Sexpartnern, sich mindestens einmal im Jahr einem Test auf mögliche Geschlechtskrankheiten zu unterziehen. Dies ist unter anderem bei vielen Gesundheitsämtern, aber auch Selbsthilfeorganisationen anonym und meist kostenlos möglich.

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