27.07.2019 / Ansichten / Seite 8

Gerufmordeter des Tages: Gordian Meyer-Plath

Sebastian Carlens

Die Verquickung aus Staatsschutz und faschistischem Untergrund hat viele Gesichter, manche sind besonders unerfreulich: das von Gordian Meyer-Plath zum Beispiel, heute Chef des sächsischen Verfassungsschutzes. Der »Alte Herr« der Burschenschaft Marchia Bonn steht im Zentrum eines Skandals um sogenannte Vertrauensleute.

Meyer-Plaths früherer Schützling, der Neonazi Carsten Szczepanski alias »Piato«, hatte 1992 versucht, einen Nigerianer bei lebendigem Leibe zu verbrennen – genug, um ihn als Topquelle für den Dienst zu qualifizieren. Dass »Piato« überhaupt ins Gefängnis musste, grenzt an ein Wunder, doch Meyer-Plaths Truppe hat es verstanden, ihm ein auskömmliches Leben hinter Gittern zu ermöglichen. Klar, »Piato« hielt auch engste Kontakte zum »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU). Es hängt eben immer alles mit allem zusammen.

Szczepanski gab im Gefängnis ein Skinheadmagazin heraus, gedruckt mit Hilfe und Unterstützung des Staates. Meyer-Plath bestreitet nun, »Piato« Post in die Haft geschmuggelt zu haben. Dies hatte seinerzeit der Brandenburger NSU-Untersuchungsausschuss festgestellt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam rügte laut eines Berichts des Tagesspiegel den Ausschuss, eine solche Schlussfolgerung gezogen zu haben, und weigert sich, gegen den Geheimdienstchef zu ermitteln. Meyer-Plath fordert gleich eine Bereinigung des Berichts.

Zwar hatte der Geheimdienst ein Postfach für den Häftling eingerichtet und für die Verbreitung seines Hetzblattes »Skins United« gesorgt. Mehr aber auch nicht, darauf besteht er. Überhaupt, wie kommen Parlamente dazu, sich in Staatsschutzangelegenheiten einzumischen? Es braucht noch viele »V-Männer« und noch mehr »V-Mann-Führer«, um diesem Übel ein für allemal abzuhelfen. Auf Meyer-Plath darf man diesbezüglich unbedingt zählen.

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