24.07.2019 / Antifa / Seite 15

Rechte Mischszenen und Maaßen

Kampf um Hegemonie: Gründe für »Rock gegen rechts«-Festival in Düsseldorf gibt es genug

Markus Bernhardt

Bereits zum siebenten Mal findet am 3. August das antifaschistische Festival »Rock gegen rechts« auf der Ballonwiese im Düsseldorfer Volksgarten statt. Seit jeher engagieren sich Nazigegnerinnen und Nazigegner der Stadt auch im kulturellen Bereich. Ins Leben gerufen wurde das Festival hier 2013 von mehreren Privatpersonen – Vorbild war das Rock-gegen-rechts-Festival 1979 in Frankfurt am Main. »Ziel war und ist es, gemeinsam mit antirassistischen Initiativen, linken Gruppen und Menschenrechtsorganisationen durch Kultur und Musikveranstaltungen Menschen zu sensibilisieren, aufzuklären und ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen«, so die Düsseldorfer Veranstalter, die sich mittlerweile in einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen haben. »›Rock gegen rechts‹ ist vor dem Edelweißpiraten-Festival und dem ›FCK-AfD-Festival‹ das größte von drei Düsseldorfer Kulturevents, die sich eindeutig antifaschistisch positionieren«, so Mischa Aschmoneit, Sprecher der Unterstützergruppe »Interventionistische Linke Düsseldorf – see red!« am Montag gegenüber junge Welt. Umsonst und draußen biete das Festival »gute Musik, interessante Stände und jede Menge Diskussionen zwischen ›unpolitischen‹ Menschen und verschiedenen linken Aktivisten«, so Aschmoneit. »Gerade weil wir mit der ›Bruderschaft Deutschland‹ eine Mischstruktur aus Neonazis und Kleinkriminellen in der Stadt haben, ist es wichtig, die nichtfaschistische kulturelle Hegemonie zu stärken«, betonte er. Er freue sich zudem schon auf ein Kulturfestival im Herbst im Stadtteil Eller – direkt vor der Nase der Nazis.

Tatsächlich versuchen Mischszenen, die nur punktuell mit dem traditionellen Nazimilieu kooperieren, zunehmend Einfluss in einigen nordrhein-westfälischen Städten zu erlangen. Während in Düsseldorf die »Bruderschaft Deutschland« ihr Unwesen treibt, sind es in Essen die »Steeler Jungs« (jW berichtete). Extreme Rechte versuchen seit Jahren, in NRW weiter Fuß zu fassen und zu expandieren. Dies hat auch etwas mit der angespannten sozialen Situation zu tun, unter der vor allem die Menschen in den von Deindustrialisierung betroffenen Städten des Ruhrgebiets zu leiden haben. Antifaschisten versuchen daher mit niedrigschwelligen Angeboten, Verbündete zu verstärktem Engagement zu ermuntern.

Bereits am Freitag gäbe es noch einen weiteren Grund, in Düsseldorf auf die Straße zu gehen und ein Zeichen gegen rechte Stimmungsmache zu setzen. Dann soll nämlich kein Geringerer als der ehemalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel und der CDU-»Frauenunion« ab 18 Uhr in der »Freizeitstätte Garath« auftreten.

Maaßen, der sich aufgrund seiner Hetze gegen die politische Linke und mit seinem Zugehen auf die radikale Rechte selbst zum Sicherheitsproblem entwickelt hat und seinen Posten räumen musste, soll dann einen Vortrag zum Thema »Die Herausforderungen für die innere Sicherheit Deutschlands und wie wir ihnen begegnen müssen« halten. Als Maaßen sich kürzlich bei Twitter auf das ultrarechte Internetportal »Journalistenwatch« bezog, entgegnete ihm der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz: »Und ich dachte immer, die Auswertung von Quellen und die Beurteilung ihrer Glaubwürdigkeit sei Kerngeschäft des Verfassungsschutzes. Jouwatch ist rechtsradikal.«

rock-gegen-rechts-duesseldorf.de

https://www.jungewelt.de/artikel/359368.kulturevent-soll-wachrütteln-rechte-mischszenen-und-maaßen.html