18.04.2019 / Abgeschrieben / Seite 8

Solidarität mit der Bude

Am Morgen des 13. April brannte das einzige vorhandene Gebäude im Mehrgenerationengarten »Bude« in Berlin-Köpenick komplett ab (jW berichtete). In einer Stellungnahme der sozialistischen Kinderorganisation »Rote Gespenster« dazu heißt es:

Liebe Freunde und Genossen, wir, die »Roten Gespenster Berlin-Brandenburg«, erklären uns solidarisch mit dem Verein Sylvester e. V., der am vergangenen Wochenende Opfer eines Brandanschlags wurde. Als wir dort ankamen, standen wir vor den Resten der »Bude«. Brandanschläge begehen Feiglinge. Hilfe und Unterstützung gibt der Mutige. Nach erster Betroffenheit folgt Klarheit. Daher rufen wir alle auf, ihren kleinen oder großen Beitrag zu leisten, um die Bude wieder aufzubauen. In diesen Zeiten, wo der Ellenbogen mehr zählt als die Solidarität, sind Orte wie die Bude mehr als notwendig.

Sylvester e. V. teilt auf der Website des Vereins zu dem Brandanschlag mit:

Wir sind schockiert und unsagbar traurig. Hass ist ein Gefühl, eine menschliche Gefühlsregung, die uns nicht nur fremd ist, sondern welche wir, mit und in unserem Projekt, unbedingt begegnen wollten und wollen. Wir können unsere Gefühle momentan nicht beschreiben. Es ist Verachtung, es ist Wut, es ist Trauer. Elf Jahre ehrenamtlichen Wirkens, schweißtreibenden, aufopferungsvollen und uneigennützigen Engagements liegen in Trümmern und machen uns fassungslos. Kein Geld kann das wieder bringen, was wir mit unseren Händen in Tausenden Stunden geschaffen haben.

Wir werden trotzdem weiter machen! Wir bauen das wieder auf – neuer, schöner, größer, weiter, höher. Das Osterfeuer findet wie geplant statt. Die Waldkita arbeitet wie gewohnt ab Montag weiter. Die Öffnungszeiten bleiben Öffnungszeiten. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, findet hier das Spendenkonto:

http://sylvester-ev.de/die-bude-ist-abgebrannt

Die Berliner Opferberatungsstelle Reachout hat am Mittwoch Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Berliner Landeskriminalamtes erstattet und erklärte:

Die Recherchen des Journalisten Jo Goll für RBB 24 und »Kontraste« haben ergeben, dass sich ein Mitarbeiter des LKA Berlin mit einem der dringend Verdächtigen bzgl. der seit Jahren verübten und nicht aufgeklärten Straftaten im Bereich des Rechtsextremismus und Rassismus in Neukölln getroffen hat. Dabei handelt es sich u. a. um die Brandstiftungen an den Pkw eines Bezirkspolitikers und eines Buchhändlers und Morddrohungen gegen weitere Personen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren.

Aus Sicht von Reachout liegt der Verdacht nahe, dass der Mitarbeiter des LKA mindestens bei diesem und vermutlich bei weiteren Treffen geheimzuhaltende Informationen weitergegeben hat, die der Beihilfe zu Straftaten dienten. Diese richten sich seit vielen Jahren gegen Personen und Projekte, die für ihr Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus bekannt sind. Insbesondere ist davon auszugehen, dass sich der Mitarbeiter und ggf. weitere Mitarbeiter des Berliner Landeskriminalamtes der Strafvereitelung im Amt schuldig gemacht haben. Des weiteren liegt der Verdacht nahe, dass laufende Ermittlungen verhindert und mögliche Straftäter gewarnt wurden.

https://www.jungewelt.de/artikel/353263.solidarität-mit-der-bude.html