16.04.2019 / Ansichten / Seite 8

Besserwisser des Tages: Theodor Waigel

Sebastian Carlens

Preisfrage: Wieviel Schaden kann einer anrichten, wenn er elf Jahre lang Finanzminister der BRD ist? Antwort: Unser Zahlensystem reicht nicht annähernd aus, um dies zu quantifizieren. Theodor Waigel zumindest, von 1989 bis 1999 im Amt, ist der »Erfinder« des Euro. Allein dadurch haben die teilnehmenden Volkswirtschaften (außer Deutschland natürlich) Verluste eingefahren, die sonst nur nach verlorenen Kriegen anstehen. Bis heute, bald 20 Jahre später, bebt das »Haus Europa« in seinen Grundfesten. »Brexit«, Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit: Waigel, die Braue des Grauens, hat ein Desaster verursacht, das ihn selbst unbedingt überleben wird.

Dabei hatte dieser Vierschröter die Angewohnheit, das Schlimmste stets so zu verpacken, dass man es nie recht glauben wollte. »Inflation ist immer schlecht. Niemand hat es gerne, wenn sein Geld weniger wert wird.« So hat er es gesagt, und da kann jeder zustimmen. Doch auf das Tätscheln folgte bei ihm stets der Schwinger in die Magengrube: »Leider lässt sie sich niemals vermeiden.«

Dem Spiegel hat der CSU-Ehrenvorsitzende gesteckt, was bei der »Wiedervereinigung« 1990 falsch gelaufen ist: Man hätte die SED verbieten sollen, »und die PDS als Nachfolgeorganisation ebenfalls«. Dann wäre bestimmt alles besser geworden, und der Osten hätte heute eine Geburtenrate, die über der des Vatikan läge. Laut Waigel nicht das einzige Problem: Die DDR-Annexion »hätte zum Anlass für das Konzept eines schlanken Staates, eines entschlackten Sozialsystems und einer deregulierten Wirtschaft genommen werden müssen«. Aber dem stand ja – leider, leider – die SED-PDS im Wege.

»Dass eine Partei, die das alles angerichtet hat, einfach weitermachen konnte, ist ein starkes Stück«, findet Waigel. Die Union meint er damit nicht; sonst hätte man, wenigstens ein einziges Mal, seiner Meinung sein können.

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