13.04.2019 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Porsche überlebt

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Lucas Zeise

Porsche, die Stuttgarter Unterabteilung des VW-Konzerns, hat im ersten Quartal des laufenden Jahres weltweit zwölf Prozent weniger Fahrzeuge als in der gleichen Zeit des Vorjahres verkauft. Schuld daran war dieses vermaledeite Abgasprüfverfahren, das schon im letzten Halbjahr 2018 dem Absatz aller deutschen Autofirmen und dazu der gesamten deutschen Konjunktur die bekannte »Delle« zugefügt hat. Aber nun sei auch noch die »Abkühlung der Konjunktur« in China dazugekommen, so dass in diesem ergiebigsten aller Automärkte weltweit der Absatz im ersten Quartal um zehn Prozent gefallen sei. Das Jahr 2019 beginne »anspruchsvoll«, erzählt den Journalisten der adelige Porsche-Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Aber wie Verkäufer so sind, lassen ihn die neuen Modelle des 911ers »optimistisch nach vorne schauen«. Leider lief, wie wir der Presse entnehmen, auch der Absatz bei der großen Muttergesellschaft im ersten Vierteljahr nicht gut: bei der »Kernmarke« Volkswagen ein Absatzrückgang um 4,5 Prozent und bei Audi einer um 3,6 Prozent.

Wird das aufzuholen sein? Können die in aller Welt bei den Reichen so beliebten Autos wie in den Vorjahren gut verkauft werden und Daimler, VW und BMW die fetten Gewinne sichern? Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem Frühjahrsgutachten in der vergangenen Woche auch der Weltkonjunktur vorsichtig eine Abschwächung vorhergesagt. In den USA werde das Wachstum von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,3 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen. Ähnlich in China, nur auf insgesamt höherem Niveau. Kein Wunder, dass der Absatz der deutschen Industrie absackt und die Autohersteller klagt.

Das alles bedenkend, könnten manche versucht sein, die große deutsche Automobilindustrie schon aufzugeben. Zumal, wie Forscher, Politiker und andere klugen Leute sagen, der Verbrennungsmotor – ob Diesel oder Benziner – ein Auslaufmodell sein soll. Aktuell schlägt die Nationale Akademie der Wissenschaften »Leopoldina« im Interesse der besseren Atemluft höhere Treibstoffpreise vor (ein Modell, mit dem der französische Präsident Macron bei den »Gelbwesten« sehr beliebt wurde). Schaden solche Dinge nicht auch unseren geliebten Autokonzernen und schmälern deren Umsatz und Gewinn weiter?

Wir aber wissen: Die Manager, die es an die Spitze dieser Konzerne geschafft haben, sind gewitzt. Sie haben das Elektroauto als Zukunftsprojekt nicht erfunden, aber als strategisches Mittel zur Rettung des Autos ins öffentliche Bewusstsein gehoben. Zwar wird das E-Auto, besonders in der deutschen Version des schweren und leistungsstarken Geräts, für den Klimaschutz keine (oder nur minimale) Verbesserung bringen. Aber es rechtfertigt ein stärkeres Engagement des Staates. Finanzminister Olaf Scholz stellt sich an die Spitze dieser Bewegung. Die steuerliche Förderung der Dienstwagen – wahrscheinlich seit Jahren die wichtigste Einzelursache dafür, dass so viele Luxusschlitten auf deutschen Straßen fahren – soll für E-Autos ausgeweitet werden. Auch insgesamt können wir zuversichtlich sein. Ganz viel Geld wird aus Berlin in Richtung der darbenden Autohersteller fließen, ganz viel steuerliche Förderung wird den Absatz an E-Autos in Schwung bringen. Porsche wird gut überleben.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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