14.03.2019 / Inland / Seite 5

Neue Billiglöhner

Immer mehr Geflüchtete haben einen Job. Meistens schlecht bezahlt

Susan Bonath

Das deutsche Kapital im Exportrausch freut sich über billige Arbeitskräfte. Setzt die Politik Geflüchtete, deren Rechte sie in den letzten 25 Jahren bereits drastisch eingedampft hat, nur ordentlich unter Druck, sind sie offenbar viel eher bereit, jeden noch so miesen Job anzunehmen. Das lässt sich einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und einer Analyse des Internetportals »O-Ton Arbeitsmarkt« entnehmen.

Das IAB, Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA), teilte am Dienstag seine Ergebnisse mit. Danach nehmen Flüchtlinge umso schneller eine Arbeit an und belegen Sprachkurse, je rascher ihr Asylverfahren vonstatten gehe. Selbst wenn ihr Antrag abgelehnt werde und sie lediglich eine befristete Duldung erhielten, sei dies so, erklärte das IAB. Dahinter steckt wohl vor allem die Angst vor Abschiebung. Gerade Betroffene mit geringer Bleibeperspektive hätten schneller einen Job, stellten die Autoren Hanna Brenzel und Yuliya Kosyakova fest und vermuteten: »Eventuell drängen sie schneller auf den Arbeitsmarkt, um ihre Bleibechancen zu verbessern oder aber ihre verbleibende Zeit zu nutzen, Geld zu verdienen«.

Beim Geldverdienen stehen Geflüchtete jedoch ganz unten in der Hierarchie, wie die Autoren von »O-Ton Arbeitsmarkt« herausfanden. Sie hatten Daten der BA ausgewertet. Danach waren Ende 2017 drei Viertel aller beschäftigten Asylsuchenden in Leiharbeit oder Helferjobs angestellt. Von den einheimischen Erwerbstätigen habe dies hingegen etwa jeden sechsten betroffen. Zwei Drittel der Geflüchteten und ein Fünftel der aus Deutschland Stammenden bezögen einen Bruttolohn von unter 2.192 Euro.

»Obwohl immer mehr Flüchtlinge in Deutschland einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, liegen ihre Verdienste weit unter denen aller einheimischen Arbeitskräfte«, konstatierten die Autoren des Portals. Zahlen der BA dazu hatten sie im Januar ausgewertet. Danach waren Anfang 2018 rund 3,3 Prozent der erwerbslosen Flüchtlinge vom Leistungsbezug in einen Job gewechselt, aber 6,3 Prozent der restlichen Erwerbslosen. Schon Ende des Jahres lagen beide Quoten mit sechs und 6,8 Prozent viel näher beieinander. Zunächst, so heißt es im Bericht, habe der Anteil anerkannter oder geduldeter Flüchtlinge im Hartz-IV-Bezug zugenommen. Seit Sommer 2017 sinke ihr Anteil aber wieder. Ende 2018 zählte die BA noch 183.000 erwerbslose und knapp 300.000 beschäftigte Asylbewerber.

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