10.11.2018 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Ort für Kreativität

Mit dem Blick in die Welt: Eine Kunstschule in Namibia geht besondere Wege

Wolfgang Sréter

Katutura, dieses Wort aus der Sprache der Herero bedeutet übersetzt etwa »Ort, an dem wir nicht leben möchten«. Und genau so heißt ein Viertel außerhalb von Namibias Hauptstadt Windhoek, in welches Ende der 1950er Jahre die farbige Bevölkerung gewaltsam umgesiedelt wurde. Wanderarbeiter aus dem Ovamboland im Norden des Landes lebten hier zusammengepfercht in einer Unterkunft, die nach der 1990 erreichten Unabhängigkeit von Südafrika einige Jahre leer stand. Was sollte man mit dem fensterlosen Gebäude anfangen, das an eine leidvolle Vergangenheit erinnerte? Die regierende Partei SWAPO beschloss, darin eine Kunstschule unterzubringen. Im Jahr 2014 wurde dieser das Zertifikat College of Arts verliehen.

Die Ausbildung dort dauert drei Jahre und hat sowohl einen kunsttheoretischen als auch einen praktischen Teil. Zu Beginn werden die Studenten angehalten, aus allen möglichen Fundstücken Kunstwerke zu machen. Plastikflaschen und Getränkedosen, die in Katutura entlang der ungeteerten Wege reichlich herumliegen, werden darin verarbeitet, oder auch Metallteile, die gehämmert und geschweißt werden.

Im folgenden Teil der Ausbildung werden verschiedene Drucktechniken ausprobiert. Viele hier sehen John Muafangejo als ihr großes Vorbild. Mit seinen schwarzweißen Linolschnitten, Holzschnitten und Radierungen wurde er als einer von wenigen namibischen Künstlern auch international bekannt. In Katutura hatte er bis zu seinem Tod 1987 ein Atelier. Während für Muafangejos Kunst der Freiheitskampf in Südwestafrika eine große Rolle spielte, widmet sich der künstlerische Nachwuchs heute vor allem den verschiedenen Facetten der Lebenswirklichkeit der Menschen im südlichen Afrika. Häufig geschieht das in kräftigen Farben und insbesondere bei den Skulpturen sind spielerische Elemente anzutreffen.

Abgesehen von größerer finanzieller Unterstützung für ihre Schule durch die Regierung, wünschen sich die in Katutura Lernenden mehr Möglichkeiten, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit in der Hauptstadt und im ganzen Land präsentieren zu können. Über das Internet und besonders Facebook halten sie sich auf dem Laufenden darüber, was in der Welt der Künste andernorts vor sich geht. Ein echter, direkter internationaler Austausch ist für Namibias Talente der große Traum.

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