13.09.2018 / Inland / Seite 2

Gemeinsam im Ausstand

Warnstreiks von Ryanair-Piloten und Flugbegleitern in der BRD

Stefan Thiel

Beim irischen Billigflieger Ryanair haben am Mittwoch Piloten und Flugbegleiter in der BRD gleichzeitig die Arbeit niedergelegt. Zu den auf 24 Stunden befristeten Warnstreiks hatten für die Flugzeugführer die Vereinigung Cockpit (VC) und für das Kabinenpersonal erstmals auch die Gewerkschaft Verdi aufgerufen.

Wie das Branchenportal Airliners. de am selben Tag berichtete, wurde die Kapitalseite von dem Ausstand härter getroffen als erwartet. Demnach wurden am Mittwoch morgen etwa in Berlin-Schönefeld 20 Verbindungen der Fluggesellschaft gestrichen. Nach Angaben des Airports Köln-Bonn mussten dort 20 von 56 Ryanair-Flügen annulliert werden. In Frankfurt am Main und im nordrhein-westfälischen Weeze wurde jeweils knapp die Hälfte der Starts und Landungen gecancelt. Weitere Ausfälle gab es streikbedingt in Bremen sowie bei der österreichischen Fluggesellschaft Laudamotion in Düsseldorf. Sie gehört mehrheitlich zu Ryanair und ist auf deren Maschinen angewiesen. Insgesamt betreibt Ryanair in der BRD zwölf »Basen«. Im Vorfeld hatte die »Low Cost«-Airline bereits 150 von 400 der für gestern geplanten Verbindungen von und nach Deutschland abgesagt und mit Stellenvernichtung gedroht.

Die Beschäftigten ließen sich davon aber offenbar nicht einschüchtern. VC-Vizepräsident Markus Wahl sprach gegenüber Airliners.de von einer hohen Streikbeteiligung. Dies zeigten erste Rückmeldungen von den verschiedenen Standorten. Eine Verdi-Sprecherin äußerte sich ähnlich. Die VC zeigte sich zuversichtlich, dass Ryanair am Ende des Tages zwischen 60 und 70 Prozent und somit weit mehr Flüge als erwartet absagen werden müsse. Während die Pilotengewerkschaft nur die 400 direkt bei Ryanair angestellten Flugzeugführer in der BRD zum Ausstand aufgefordert hatte, richtete sich der Verdi-Streikaufruf an alle rund 1.000 hierzulande stationierten Flugbegleiter. Nach Gewerkschaftsangaben sind etwa 70 Prozent des Kabinenpersonals über Leiharbeitsfirmen angestellt. Bei den Piloten sind dies laut Unternehmen »nur« rund 20 Prozent.

Hintergrund des gestrigen Warnstreiks sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen für beide Beschäftigtengruppen. In beiden Fällen geht es um die erstmalige Aushandlung von Tarifverträgen, höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Sowohl die VC als auch Verdi fordern darüber hinaus unter anderem die Anwendung des deutschen Arbeitsrechts bei dem Billigflieger. Ryanair hält sich bisher ausschließlich an irische Rechtsstandards, die den Beschäftigten zum Beispiel keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall garantieren. Für das Kabinenpersonal steht Ryanair auch in Verhandlungen mit der mit Verdi konkurrierenden Unabhängigen Flugbegleiterorganisation UFO. Diese hatte zwar nicht zum Ausstand aufgerufen, zeigte sich am Mittwoch aber solidarisch. In einem Rundschreiben betonte der UFO-Vorstand, dass alle in der BRD stationierten Ryanair-Flugbegleiter dem Streikaufruf von Verdi folgen könnten.

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