11.09.2018 / Feuilleton / Seite 14

Nachschlag: Terrorversteher

Weltspiegel | So., 19.20 Uhr, ARD

Es ist zynisch, wie die ARD versucht, sich zur Verteidigerin der Werte der sandinistischen Revolution aufzuschwingen. Beim »Weltspiegel« am Sonntag wird Position bezogen: auf seiten der Reaktionäre, die mit Straßenblockaden und gewaltsamen Aktionen die nicaraguanische Regierung von Daniel Ortega stürzen wollen. Ein Pfarrer kommt ebenso zu Wort wie Studenten, die – so heißt es in dem Beitrag – sich verstecken müssten. Auch eine Anhängerin der Sandinisten wird befragt. Ausgeblendet wird indes der Kontext, in dem der Umsturzversuch stattfand: ein von den USA orches­trierter Rechtsruck in Südamerika, um die progressiven Regierungen zu beseitigen. Dafür sind alle Mittel recht – ein Wirtschaftskrieg gegen Venezuela, ein institutioneller Putsch in Brasilien oder terroristische Straßengewalt in Nicaragua. Ein Aufruf für »Frieden«, wie ihn die ARD propagiert, ist eine Parteinahme für den Regime-Change. Die sandinistische Aktivistin Karen hat recht: »Mit Terroristen redet man nicht.« (rz)

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